Sinai 2010

Trans Sinai Bike Tour
28.10. bis 4.11.2010

Reiseleiter Thomas Krenn, worldwide active -eine Marke der TUI Austria Holding GmbH, Internet: www.worldwideactive.at, jetzt www.adventuretoptours.com/ (Karl Wintersteller)

1. Tag - Flug nach Sharm el Sheikh
Thomas Krenn, ich und vier weitere Teilnehmer treffen uns kurz nach  6 Uhr morgens am Flughafen in München zum Check-in und fliegen mit einem Zwischenstopp in Marsa Alam nach Sharm el Sheikh. Dort werden wir von unserem lokalen Reiseleiter (Rafat) mit einem Kleinbus abgeholt und ohne Stopp für eine Kleinigkeit zum Essen (Mittagessen hatte es im Flieger schon gegen 10 Uhr gegeben) - ins Hotel am Meer nahe Nuweiba (Village Resort) gebracht, wo wir gegen 17 Uhr eintreffen.  Für uns sechs gibt es Abendessen um 19 Uhr. Die von Wien aus gestarteten anderen vier  kommen erst einige Stunden später nach.

2. Tag - Biketour entlang des Golfes von Aqaba (Bike 10km Strasse und 25km Piste)
Nach einer eher wenig erholsamen Hotelzimmer-Nacht   (Pappendeckelwände) und kurzem Bad im Meer fahren wir mit den Rädern durch den Ort Nuweiba hindurch bis zum Wohnhaus eines älteren Beduinen-Herren (und Familienoberhaupt) names Aid, wo wir den ersten Beduinentee bekommen. Aid fährt den einen Jeep, den zweiten  Jeep fährt einer seiner Söhne: Salama, der auch für uns kocht. Dabei ist noch Atua, wohl einer der vielen Enkel des bereits 70 Jahre alten Aid. Alle drei sind Beduinen eines Stammes aus dem nordöstlichen Sinai (Bereich Nuweiba bis Wadi Arada). Aid ist in der ganzen Region bekannt und respektiert. Nach dem Tee geht es per Rad ca 10 km am Golf von Aqaba entlang bis zu einem kleinen Landvorsprung Ras Abu Galum, wo wir das Mittagessen einnehmen werden.

Während dessen Zubereitung können wir noch gemütlich im warmen Meer schwimmen. Am Strand liegen als Touristenattraktion große Muscheln und abgestorbene Korallen.
Anschließend geht es langsam, steil, sandig und unter größer Hitze von der Küste heinein bzw. hinauf in die Berge zur Oase Bir Zureir.

Nach ersten Kontakten mit den Kindern der Oase und einer Radl-Runde durchs Dorf beziehen wir unser Nachtlager bei Bekannten von Aid. Zum Abendessen gibt es Suppe und dann leckeren Reis, fast wie Risotto, und Kartoffeln und anderes Gemüse.

3. Tag - Grandiose Wüstenlandschaften (Bike 8km, Strasse & 22km Piste, ca. 2 Stunden wandern)
Ich bekomme bei meinem Morgenspaziergang in den umliegenden Hügeln auf einen Wüstenfuchs zu sehen.

Nach einem Frühstck mit Fladenbrot, Marmelade, Rührei und auf Wunsch auch Brot aus Maismehl -  biken wir nach einer kurzen Asphalt-Etappe durch die Wüste. Am späten Vormittag erreichen wir unsere Kamelstation. Ohne Mittagessen und auch ohne die im Programm erwähnte kleine Teepause geht es zu wunderschönen, abgelegenen Canyons. Mindestens zwei der fünf KamelfÜhrer sind taubstumm. Einer von Ihnen ist am Schluss sehr erregt, weil er nicht glauben will, dass es im Moment für sie nur das Trinkgeld gibt aber nicht den eigentlichen Lohn. Den hat der lokale Ansprechpartner (der Chef von Rafat, ein gewisser Herr Esser oder so ähnlich) zu bezahlen.

Bis zur Oase Ain Khudra wandern wir (barfuß) zunächst durch die Ziegenschlucht und dann durch eine Schlucht mit teils schneeweißem Sand, weshalb diese Schlucht auch White Canyon genannt wird.

Hungrig und durstig erreichen wir die Oase Ain Khudra. Hier sind wir ebenfalls ganz passabel innerhalb der Oase untergebracht. Auch hier gibt es Angehörige von Aid.

Ich werde auf meinem Spätnachmittagspaziergang von einer ärmlichen Beduinen-Familie zum Sitzen auf einer Decke im Sand eingeladen. Die erst 22-jährige Beduinenfrau ist Mutter von drei kleinen Kindern. Den 5 Monate alten Jüngsten stillt sie noch. Der Mann ist 35 Jahr alt, schaut aber mit seinen braunen Stummelzähnen aus wie 70. Zur Familie gehört eine Katze und ein Esel. Nicht offensichtlich Ziegen oder Schafe. Sicher keine Kamele. Ihr dürftiges Lager befindet sich außerhalb der umfriedeten und bewässerten Grundstücke der Oase.

4. Tag - Slickrocks & Kameltrails (Bike 12km Piste & 22km Strasse)
Auf seinem Morgenspaziergang begleitet vom Oasenhund fotografiere ich nicht nur die Oase von oben, sondern auch die  ca 3 km südlich der Oase gelegene Passhöhe (s.o.), durch ich schon mal vor Jahren gewandert war und die bei fürheren Biketouren von Thomas die übliche Passage für die Weiterfahrt darstellte, als die Kamelstation noch an einer anderen Stelle war.

Wir hingegen fahren per Jeep (Zwischenstopp beim sog. Mushroom Rock) etwa 1 h zurck zur Kamelbasis.

Wieder auf den Rädern besuchen wir die Nawamis, einige mehrere tausend Jahre alte Bauten. Den Zweck dieser Anlagen kennt man bis heute nicht genau. Unser ägyptischer Begleiter klärt uns über die Möglichkeiten aus archeologischer und zoologischer Sicht auf.  Name und Bauweise könnte was mit Mücken zu tun haben. Durch die mörtelfreien Steinritzen würde die Luft so starkt durchziehen, daß sich keine Mücken im Gebäude halten können. Vermutlich handelt es sich um Lagerhäuser, vielleicht auch um Begräbnisstätten.

Nach einem kurzen Downhill auf einer Wellblechpiste erreichen wir die Asphaltstrasse und erreichen bald darauf die Beduinensiedlung des Wadi Arada. Hier nehmen wir unser Mittagessen ein. Im Laufe des Nachmittages biken wir vorbei an Steinmalereinen der Nabatäer. Diese kontrollierten die Handelswege von Jordanien bis sonst wohin und machten Aufzeichnung ber die durchziehenden Karawanen. Ich suche vergeblich nach den in den Sandstein gemeiselten Zahlen, es sind vorwiegend  Kamele und dazwischen nur ganz vereinzelt Zahlenzeichen zu sehen. Hier deshalb (links) das Foto meiner Reise von 1996:

Wenig später üben wir uns noch im Sanddünen-Downhill (alle bis auf einen Biker nehmen die steilste Abfahrtsvariante, eine Bikerin stürzt beim ersten Versuch, meistert den zweiten dann aber bravourös.

Noch vor Sonnenuntergang erklimmen wir noch zu Fuß den Oberlauf des alten Flusstales und bestaunen die durch Wasser gemachten Felserosionen. Über eine Schlucht geht nach oben auf ein Hochplateau ber eine andere Schlucht mit engen, bis 6 m hohen Stufen geht es wieder hinunter, jetzt direkt zu unserem Schlaf- und Abendessensplatz.

Heute gibt es sogar Campingstühle. In dieser Nacht, die wir im schmalen Canyon verbringen, ereilt den ersten von uns der Durchfall, weitere folgen in den Tagen darauf.

5. Tag - Fahrt nach St. Katharina (Bike 7km Piste & 45km Strasse)
Vormittag: Bald nach dem Frühstck fahren wir weiter hinein in den Zentralsinai. Tolle Bikepisten auf Felsplatten oder fast betonhartem Sand laden ein zum surfen in der Wüste. So steht es im Programm.

Die meisten von uns fanden es reichlich anstrengend. Zumal sich dann von viele Kilomoter auf heißem Asphalt anschlossen. Unsere Mittagsrast machen wir am Fuße des Mosesberges in einem kleinen Cafe. 
Nachmittag: Auffahrt auf den Mosesberg (Bike 3km Strasse & 3km Bergweg)
Nach dem Mittagessen  führt uns ein abwechslungsreicher Weg auf den Mosesberg. Aber nicht ganz bis auf den Gipfel (2285m) sondern nur zu jener Stelle (ca 150 m unterhalb des Gipfels), wo die Kamel nicht mehr weiter können, weil dann steile Steintreppen beginnen. Ich schiebe die meiste Strecke, jedoch Thomas kam soweit er nicht behindert wurde durch Kamele oder Fußgänger sogar die hohen (und wegen Sandbelag zusätzlich schwer zu fahrenden Stufen) hoch:

Wir beziehen einen Lagerplatz (ein Beduinen-Gebäude) ca 70 Höhenmeter unterhalb dieser Stellen.
Nur ich gehe noch zu Fuß auf den Gipfel des Mosesberges und kommt gerade rechtzeit zum Abendessen zurück dass uns die Beduinen  Faradsch, Ahmed und Sleyman gekocht haben: Suppe, dann Reis und Gemse. Ahmed ist recht lustig und zieht fast hektisch an seiner Schischa (Wasserpfeife). Dass er auch gerne von unserem Alkohol gernippt hat, das soll sein älterer Bruder ja nicht erfahren.

6. Tag - Auf den Spuren von Moses (Bike 40 km Piste und Pfade) - Wadi Isla
Noch vor dem Morgengrauen ersteigen ich und drei andere einen kleinen Nebengipfel des Mosesberges um von dort den Sonnenaufgang zu erleben. Nach dem Frühstck und noch früh am  Morgen machen wir uns auf zur Königsetappe, einer anspruchsvollen Tagestour, bei der wir erst einen kleinen Teil des gestrigen Anstiegs zum Mosesberg wieder hinunter fahren (oder schieben) und dann  über drei weit auseinander liegene Pässe hinweg den Weg hinunter ins Wadi Isla finden.

Dieses nach Süden führende Tal  muss der alte Pfad sein, auf dem Moses seine in Steintafel gehauenen 10 Gebote zu seinen Israeliten  nach Al Tur (das Kalb) brachte, wo sie - wie es mit dem Namen des Ortes zusammen passen würde - ein goldenes Kalb umtanzten. 

Im  Wadi Isla treffeen wir auf die anderen Beduinen und Kamele und auch wieder auf eine durchfallgeschwächten Reisegenossen, der nicht mit uns auf den Mosesberg gekommen war sondern vom Katharinen-Dorf per Jeep bis zu einem Haus unterhalb des dritten Passes gefahren wurde und dann am andern Morgen aufs Kamel umgestiegen war. Nach einem erfrischenden Mittagessen im Wadi Isla radeln wir weiter, das Wadi Isla nach Süden hinunter.

Es ist ein landschaftlich besonders schönes Gebiet.  Wir übernachten in einer Biegung des Wadis an einer Stelle, wo mehrere Palmen stehen, einfach so im Freien. Ein Beduine war gestürzt und hat sich das Handgelenk gebrochen. Ich schiene das Handgelenk mit einem Sam Splint und fixiere diesen mit einem Strickschlauch-Verband (Stülpa).

7. Tag - Nach Al Tur am Roten Meer - Sharm el Sheik (Bike 10 km Piste /Bus 1,5h)
Am frühen Morgen durchfahren wir mit Schilf verwachsene Canyons, vorbei an kleinen Feldern mit Dattelpalmen.

Freundlich winken uns die Fellachen, ägyptische Bauern, zu. So steht es jedenfalls im Programm. Nun sagen wir mal so. Es gibt da ein ausgefeiltes Bewässerungssystem und gewisse Gärten, die von Männern mit Gewehren bewacht werden. Thomas meint (augenzwinkernd), die braucht man wegen der Rebhühner, die sonst den Ernteertrag schmälern würden.

Diese abenteuerliche Schlucht schließt ab mit einem eindrücklichen Aussichtspunkt. An einer Schule endet unsere Biketour.

Wir  verpacken die Bikes in Kisten und verladen sie auf ein Pickup. Die beiden Jeeps mit Said und Salama bringen uns bis zur Teerstraße. Wir sind alle froh, dass uns diese 10 km tiefer Sand erspart bleiben. Wir werden von zwei Kleinbussen bernommen, die uns ber Al Tur hinaus und um die Südspitze des Sinais (Ras Muhammad) herum nach Sharm el Sheik bringen, wo wir den Abend in einem nagelneuen Hotel (Sol y Mar, Riva Beach)  am Meer ausklingen lassen.

8. Tag - Rückreise nach Europa

Gegen 12 Uhr mittags werden wir von unseren beiden Kleinbussen im Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht. Wir fliegen zwar wieder mit verschiedenen Maschinen, aber diesmal zeitgleich. Bei der Münchner Gruppe verläuft der Flug nach Plan, jeder bekommt sein Gepäck. Wir hoffen, dass es auch bei der Wiener Gruppe so gut geklappt hat.



 

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