Istanbul 2011

Istanbul - Europäische Kulturhauptstadt 2010 - 20.-24.April.2011 (vier Tage, zwei Ehepaare)  
 

Istanbul erstreckt sich über etwa 50 Kilometer in west-östlicher wie in nord-südlicher Richtung und wird durch den Bosporus in eine europäische und eine asiatische Seite geteilt. Das Alte, im Süden der europäischen Seite gelegene Stadtzentrum - in dem wir uns überwiegend aufgehalten haben - wird zusätzlich durch das schon im Mittelalter so genannte Goldene Horn von den nördlicher gelegenen Stadtteilen getrennt. Eine der beiden sie verbindenen Brücken ist die Galaterbrücke. Bei Wikipedia findet sich eine Auflistung (mit kurzer Charakterisierung) der verschiedenen Stadtteile von Istanbul

 

Aussprache türkischer Schriftzeichen, soweit abweichend: ş = sch (z.B. in „hoşgeldiniz“ = willkommen oder in „Beşiktaş“, Stadtteil und Fußball-Klub);  c = dsch (z.B. in „camii“ = Moschee); ç=tsch (z.B in çok güzel = sehr schön, sehr gut); h=ch  (z.B. in bahçe = Garten, oder Ahmed = türkischer Vorname, Sultanahmet = Stadtteil Istanbuls); ı=(kurzgesprochenes) ö (nach dunklen Vokalen wie „a“, „o“ oder „u“ anstelle des „i“; z.B. in „Topkap ı“; ğ (meist nicht gesprochen, entspricht dem arabischen غ Zäpfchen-r rhein; z.B. in Bağdad ); z=stimmhaftes s (z.B. in „güzel“ = schön)

 

Aus Guide bleu von 1967 Übersicht über touristische Sehenswürdigkeiten im europäischen (Alt-)Stadtgebiet.

Mi, 20.4. Flug (Turkish Airlines - Taxi vom Atatürk Havaliman ı - 36 TL), Einchecken im Hotel Valide Sultan Konağı („Haus der Mutter des Sultans“; Konak = Wohnhaus aus Holz), erster Spaziergang  (vorbei an einem fotogenen Brunnen- bzw. Trinkwassergebäude „Ahmet III çeşme“, durch das Bab-i-Hümayun-Tor, vorbei an der Irenenkirche bis zum Eingangsbereich von Topkapı) und erster Besuch eines Museeums (Archeologisches Museum = Arkeoloji Müzesi), Vorbuchen eines Abendessenstisch im „Erten Konak“ für Do und im „Cooking Alaturka“ für Freitag (beides in der Akbiyik Cad. um die Ecke), Abendessen im Dachterrassenrestaurant unseres Hotels.

Valide Sultan Konağı                       Brunnengebäude „Ahmet III çeşme“
Irenenkirche im Zugangsbereich des Topkapı-Palastes  archäologisches Museeum

Do, 21.4. Joggen durch Stadt und Gülhane Park (unterhalb Topkap ı Saray ı). Frühstück auf dem Weg zur Hagia Sophia (frisch gepresster Portakal=Orangensaft, mäßig guter Kaffee) neben Touristand.  
Zunächst schauen wir die Mausoleen neben christlichen, später islamischen Hagia Sophia an.

Dann Anstehen in langer Schlange vor dem Haupteingang des seit 1934 als Museeum umfunktionierten Sakralbauwerks („Ayasofia Müzesi“): 20 türkische Lira (=10 Euro) Eintritt. In Menschenmassen durch die verschiedenen Gebäudeteile (Vorhallen, 75 x 70 m Hauptschiff=Kuppelbasilika mit 55 m hohen Pfeilern, Seitenschiffe, Emporen; Mosaike; „schwitzende Säule“, Baptisterium, Sultansloge; Krönungsplatz … restaurierte Wandmosaike).

Laut Guide bleu: (3. Bild) Thronende Madonna mit dem Jesuskind auf dem Arm. Rechts neben ihr steht Konstantinos I., der mit ihr die Stadt Konstantinopel weiht, während Justinianos ihr das Modell der Hagia Sophia darbringt.
Danach durch das Bab-i-Hayat (s.u.) in und durch den Ägyptischen Markt („misir çarsısı“, bekannt für seine Gewürze und Tees, z.B. Elma-çay, Apfeltee, s.u.) hinunter zur Galaterbrücke (Galata Köprüsü). Von hier (Eminönü, Schiffsanlegestelle = Iskele) mit einem

Personenfährboot („vapur“, Zahlungsmittel sind Jetons à 1.75 Türkische Lira, ca 90 Euro-Cent, die man sich an Automaten kaufen kann, was nicht schwierig ist, wenn man es einmal gerafft hat) hinüber über den Bosporus auf den asiatische Teil der Stadt, nach Üsküdar.

Hier bummeln wir durch Gassen und Fischmarkt. Bei den Fischhändlern („balıkçiler“) gibt es diverse meist im Schwarzen Meer (Akdeniz) gefangene Fische wie z.B. Levrek und çupra, wie wir sie zwei Tage später anläßlich einer Bosporus-Schiffahrt (Mittagspause an Land) essen werden.
    
Dann wieder mit dem Schiff (andere Fährlinie) zurück auf den europäischen Teil, jetzt zum Stadteil Beşiktaş. Nachdem der Dolmabahçe Palast heute geschlossen ist

geht es – nach kurzer Rast am Wasser mit einer Standseilbahn (Funikular) von Kabataş aus hinauf zum Taksim-Platz (Taksim Meydanı) im Stadtteil Beyoğlu. Durch die vor Menschenmassen nur so quirlende Fußgängerzone (Istiklal Caddesi = Freiheitsstraße, früher, im 19. Und 20. Jahrhundert hieß sie „Grand Rue de Pera“ und war schon im ganzen damaligen Europa als Boulevard und Flaniermeile berühmt) gelangen wir zum Galater Turm (Galata Kulesi), den wir gerne wegen der so gerühmten Aussicht bestiegen hätten, aber leider gab es auch hier eine lange Warteschlange, so daß wir uns nur ein bißchen an den Rand des Platzes setzen, dem bunten Treiben zusehen und den Straßenmusikanten  zuhören. Steil bergab ging es über eine aufgerissen Straße wieder hinunter nach Karaköy bzw. zurück zur der das  Goldene Horn überspannenden Galaterbrücke und zurück in unseren Stadtteil Eminönü bzw. Sultanahmet. Abendessen gab es dann um die Ecke, mehrere Gänge, Hauptspeise Fisch, im Erten Konak mit anschießender Führung durch die drei Etagen des im osmanischen Stil ausgestatteten Holzhauses / Hotels.

Fr, 22.4.     

Nach einem Frühstück auf dem Hoteldach-Restaurant und einem Spaziergang durch Parks

geht es zur Blauen Moschee (Sultan Ahmet Camı), wo wir als Nicht-Muslime nicht den Haupteingang sondern einen Touristen-Seiteneingang benützen müssen (ebenfalls schon lange Warteschlange, für die Schuhe gibt es eine Plastik-Tüte).

Danach geht es ins unterirdische Wasserreservoir, die Yerebatan Zisterne („Sarnıcı“, 140 x 70 m, 336 Marmorsäulen, maximal 80 000 qm Wasser, heute Wasserspiegel nur 40 cm hoch, Goldfische, Gewölbe mit guter Akkustik,  genutzt für Konzerte) -

und danach ins Museum für türkische und islamische Kunst („türk ve islam eserleri müzesi“). (Ich unternehme zwischendurch einen zweiten Versuch Briefmarken im Postamt zu besorgen, nicht einfach, sie händigen keine Briefmarken aus, aber man kann beschriebene Postkarten mit Briefmarken bekleben lassen und gleich abgeben. Am Vortag in einem anderen Postamt hätte man eine Warte-Nummer ziehen müssen).
Wir streifen durch den großen Basar („kapalı çarşı“). Die Vielfalt an Waren ist stets nach „Zünften“ geordnet. Die verschiedenen Gassen sind mit dem Namen der dort jeweils vertretenen Handwerker benannt, wie z.B.
Terziler = Schneider,
Kürkçüler = Kürschner,
Kilitçiler = Schlosser,
Aynacılar = Spiegelmacher,
Kuyumcılar = Juwellier,
Kalpakçılar = Pelzmützenmacher,
Fesciler = Hutmacher (Fes),
Yağlikçılar, Hersteller von Schmierfett
Tığcılar,  tığ = Häkelnadel
Yorgancılar, yorgan = Steppdecke,
Keseciler, kese = Geldbörse, Futteral

Nach Verspeisen eines mit Lammfleisch gefüllten („adana-şiş“) in Fladen gerollten Dürüm-Döner ziehen wir weiter – unterhalb des Universitätsgeländes entlang -  zur großen Süleymaniye Camıı (über welcher eine Schar Störche kreisen), zu der im Auftrag von Sultan Süleyman I („den Prächtigen“) von Sinan 1550 bis 1557 erbauten größten und wichtigsten Moschee Istanbuls (+ Hamam, Schule u Bibliothek). 

Gestärkt mit Tee, Fisch und Cola turka (in einem aile çay bahçe, einem etwas an unsere Biergärten erinnernden Etablissement mit Tischen im Freien) – das Mausoleum des Baumeisters Mimar Sinan (1490 bis 1588) passierend – suchen wir uns einen Weg hinunter zum Goldenen Horn und von dort aus dann zur fliesenprächtigen, von Sinan in nur zwei Jahren erbauten Rüstem Paşa Moschee.

 

Das Abendessen im „Cooking Alaturka“ schmeckt uns allen sehr gut.

Sa, 23.4. Auch heute lassen wir uns auf keinen geschäftstüchtigen Vorschlag unserer Hotel-Tresen-„Manager“ ein und unternehmen ganz eigenständig (und für eine Bruchteil der uns genannten Summe) eine Fahrt auf dem Bosporus. Mit einem größeren Schiff (mit über 200 Leute an Bord) geht es in zwei Stunden Fahrtzeit und mit kalt-frischem Wind im Zickzack zwischen europäischen und asiatischen Anlegestellen, unter zwei Autobrücken hindurch, an der mit Burgen (Rumeli und Anadolu Hısarı) bewehrten nur 600 m breiten Engstelle

vorbei bis zur Endstation am asiatischen Ufer, dem kleinen Fischerdörfchen Anadolu Kavağı. Hier erklimmen wir die Anhöhe samt Burgruine, von der aus wir ins Schwarze Meer hinaus schauen können. Gleich unterhalb der Burgruine folgen wir entsprechenden Zurufen für einen Lokalbesuch. Auf sonnenbeschienen Tischen essen wir lecker-frisch-angemachten Salat und gegrillten Fisch (Levrek bzw. Cupra) – mit Blick auf den Bosporus und die auf diesem in rascher Folge verkehrenden Tanker.                                 
   
Für die Rückfahrt überlegen wir, ob wir einen zweiten Versuch unternehmen sollen, den Dolmabahçe-Palast zu besuchen, ziehen es aber vor – weil nicht die passendere Anlegestation (Kabataş) angefahren, doch zurück bis Eminönü zu fahren.

Zu Fuß (damit uns wieder warm wird) geht es über die Galaterbrücke hinüber nach Karaköy und dort zum Museum der Moderne. Leider hat dies nur mehr eine knappe Stunde offen, aber diese Zeit erweist sich dann auch als ausreichend. Wir bleiben nach Schließung des Museums („Istanbul Modern“) noch für eine Stunde im Museumsrestaurant und spazieren anschließend mal wieder hoch zur Fußgängerzone (Istiklal Caddesi) bzw. Galaterturm. In einer Seitenstraße essen wir – jetzt mit sehr gutem Preisleistungsverhältnis – landesübliche Kost in einer Garküche - in der die Frage, ob es hier auch rakı geben würde, mit einem entrüstet anmutenden „yok“ (begleitet von der typischen dorsalgerichteten Kopfbewegung) beantwortet wird.

So, 24.4. Nach Frühstück in Dachrestaurant, - lediglich Uli war kurz zum Bahnhof (Sirkeci Garı) geeilt, um dort noch ein paar Euro gegen türkische Lire einzutauschen (und Blick in die antike Bahnhofshalle plus Hinweisschild „Orient-Express“ zu werfen sowie in eine leere Bahnhofshalle in der bisweilen tanzende Derwische auftreten)-

folgt ein ausgedehnter Besuch des Topkapı Museums (20 Lira allgemeiner Eintritt, extra 15 Lira für den Haremsbereich, 10 Lira für ein Audio-Gerät), auch die Passage durch, bzw. der Eintritt in einzelne Räume (wie Schatz- und Gewändekammer) ist jedes Mal mit Warten in der Schlange verbunden.

Anschließend gemeinsam Tee im Gartenrestaurant direkt unterhalb der äußersten Ecke des Topkapı-Sarayı – stilecht mit zwei-Kannen-System und mit gutem Blick auf Bosporus und Prinzeninseln.

Dann nachmittags getrennte Aktionen: Museum für Geschichte und Technik im Islam die einen, Üsküdar , Beşiktaş (- hier gelingt es wiederum nicht in den Dolmabahçe Sarayı zu gelangen) und Beyoğlu die anderen. Vom Hotel aus geht es dann um 16:30 Uhr gemeinsam per Taxi (jetzt Fixpreis 40 TL) zum Flughafen. Unkompliziertes Einchecken und Rückflug. Ankunft in München (MUC) um 21:15 Uhr Ortszeit.

Atatürk Büste im Sirkeci Bahnhof: „Ne mutlu türküm diyene“ – „Welch ein Glück ein Türke zu sein“ :

Literatur, Internetadressen und Karten:
Brigitte Moser & Michael W. Weithmann: „Kleine Geschichte Istanbuls“, Friedrich Pustet Verlag Regensburg, 2010ISBN 978-3-7917-2248-1
Kai Strittmatter: „Gebrauchsanweisung für Istanbul“, Piper Verlag München, 2. Aufl. 2010, ISBN 978-3-492-27592-7
ADAC-Führer Istanbul („plus“: mit Stadtplan 1:13000)
Die Blauen Führer (Les Guides bleus, Hachette Paris): Türkei – 1967


 

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