Inselhüpfen 2010

KROATIEN  2010

Inselhüpfen
um Istrien und den Inseln Krk, Cres und Lošinj der Kvarner Bucht

Reiseleiter:
Krenn Thomas
(MTB-Guide aus Braunau, unterstützt von Bernie)

 
  
Reisehighlights:

  • Die Internationalität der Reiseteilnehmer
  • Die Burgstadt MOTOVUN
  • Der LIMSKI-FJORD und alte Burgen (Dvigrad, Burg Grimani in Svetvinćenat)
  • Krk, Cres, Osor, Veli Lošinij
  • Rovinj – die Perle der Adria
  • Die Bergarbeiterstadt Labin
  • Die Euphrasia-Basilika in Poreč
  • Wälder und Steppen, Naturblumenwiesen
  • Baden in einer Bucht bei der Insel Unje
  • Mediterrane und österreich-ungarische Küche in den Hafenstädten oder an Bord (zubereitet von Marinko) 
  • Das von Kapitän Ivo gesteuerte Schiff Dalmatinka (Baujahr 1968, 23 m lang, 5,5 m breit, 400 PS, 10 Kabinen mit Waschbecken,Toilette und Dusche; (www.katarina-line.hr/br_dalmatinka.asp)
  • Die Abendstimmung auf Schiff
 

 

Samstag, 15.5.2010 - Einchecken in Opatija (ital.- Abbazia, dt. - Sankt Jakobi)
Selbstanreise mit PKWs (über Udine - Triest). Opatija begrüßt uns feucht und kalt. Bei Billa wechseln wir unsere Kuna und sichten am Pier unsere Mitradelnden. Entladen von Gepäck und Rädern auf dem Hafenkai. Einschiffen auf einem gemütlichen Zweimast-Schoner in Hafen von Opatija (13:00 Uhr), der Dalmatinka (Frau aus Dalmatien). Es werden Tabletten gegen Seekrankheit verteilt. Die Pillen in der Hand spricht uns Th, Krenn so anschaulich von Seekrankheit dass beinahe jeder vorsorglich Tabletten schluckt. Wir (insgesamt 17 Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz) warten auf M. Dann Mittagessen auf dem Schiff und bei den Tischgesprächen erstes Aufkommen von „german angst“ vor leistungsstarken Schweizer Bergziegen. Abfahrt in Richtung Insel Krk (geplantes Ziel ist Omišalj). Wir verschlafen das role back des Schiffes, das vor der schwarzen Bora dreht, umkehrt und Rijeka anläuft. de.wikipedia.org/wiki/Rijeka
Hier Stadtspaziergang (den irgendwie K&K-„Korzo“ an einem eisigen Frühlingabend auf und ab).
 
 Froh sind wir über die Wärme beim Abendessen im 1.Stock einer am Hafen gelegenen Konoba. Nach etwas Startschwierigkeiten erste positive Erfahrungen mit der kroatischen Küche, die geprägt ist von slawischen, österreichischen und italienischen Einflüssen (z.B. Palačinke, Wiener Schnitzel = šnici, z.B. Pastagerichte wie fuži = Maultaschen oder njoki = Gnocchi, z.B. ćevapčići und ražnjići als „jela sa roštilja“, als „Speisen vom Grill“), bis hin zu türkischen Einflüssen bei den Süßspeisen = „slastice“ (tulumba und baklava). Es gibt Fleisch (wozu „ajwar“ als pikante Würzbeilage gereicht wird) und Fisch (riba, z.B. arbun = Rotbrasse, komarca = Goldbrasse, brancin = Seebarsch, lignja = Tintenfisch), Fischsuppe (mit bakalar = Stockfisch oder Meeresfrüchten), Bohnensuppe („grah“); Suppe = „juha“). Als Beilagen gibt es Kartoffeln („krumpir“) oder Mais (kukuruz) und „salata“. Tartufi (Trüffeln, aber die gab es erst Tage später). Natürlich gibt es Bier (pivo) und auch Wein (offen in Krügen, stolno vino = Tischwein). Beim Weißwein (bijelo vino) ist es meist ein trockener, bisweilen leicht harzig schmeckender Malvazija oder ein kroatischer žlahtina oder kujundžuša, beim Rotwein („schwarzer“ crno vino) ein ebenfalls trockener bis saurer „Teran“ oder „borgonja“. M. spendierte eine Runde Getränke und so hieß es „Žjvjeli“ (Prost) !
 

                                                                  

Stadtturm Rijeka
Sonntag, 16.5.2010 - Insel Krk und Cres KM 
Bike 53 km / 850 Hm
Nach dem Frühstück und Fahrt von Rijeka zur Insel Krk.Krk [kr̩k] (lat. Curicta, ital.Veglia, dt. veraltet Vegl)Im Hafen von Malinska verlassen wir mit unseren Bikes zum ersten Mal unser Schiff. Auf diversen Nebenstraßen durch rotbraune Schlammpfützen und feuchtes Grün der Wälder gelangen wir hinunter zu dem in einer Bucht gelegenen Ort Krk, wo wir in der Konoba Šime im Freien sitzend das Mittagessen einnehmen. Anschließend kurzer Rundgang durch die touristisierte Altstadt.
 
 Speiselokal Šime in der Hafenbucht des Ortes Krk (auf der Insel Krk)
 
Dann steil bergab in den Ort Cres (auf der Insel Cres), wo Schiff (und Abendessen) auf uns warten.Schwierig all das Nasse aufzuhängen und zu trocken. Am Abend schlendern wir durch die tropfnassen Sträßchen der venezianisch geprägten Altstadt, die noch ganz leer auf die Sommertouristen wartet.
Montag, 17. 5. 2010 - Cres – Osor - Mali Lošinj                   
Bike 65 km / 1100 Hm

Vom Hafen aus biken wir entlang einer Bucht vorbei an einem mondänen Yachthafen bergauf über groben Schotter mit großartigen Blicken auf Bucht und Meer. Am ersten Ansteig reißt Hildes Fahrradkette. Aufregung und Ungemach mit nachfolgender Schalt-Phobie. Der Schaden an der Kette kann von Bernie durch Entnahme des defekten Kettengliedes behoben werden. Nach einer Lektion Schaltunterricht geht es weiter über teils grobstollige Pfade und abgelegene Sträßchen westlich oberhalb von Valun und dann in südlicher Richtung vorbei an einem abgelegenen See (vermutlich aus einer Doline entstanden, Trinkwasserreservoir der Insel). Auf dieser Strecke kommt es zu einem Sturz. C. überschlägt sich bergab (kurzes steileres Teerstück mit nachfolgender Erdmulde plus gröberen Steinbrocken) mit samt ihrem Fahrrad und landet auf der Brust. Initial ist sie ganz blaß, ihre Lippen cyanotisch, sie tut sich schwer mit dem atmen. Zum Glück stabilisiert sie sich rasch und kann dann auch wieder weiterfahren. Vorbei an kleineren alten Dörfern ( - wir bekommen Wasser von italienisch sprechenden Bewohnern) und einem Stellungsbunker aus dem 1. Weltkrieg (hier hatte Th, Krenn bei einer regnerischen Erkundigungsfahrt  genächtigt) fahren wir zu einem Dorf, aus dem Ferrero Waldners Ehemann stammen könnte – Th, hatte bei seinen Erkundigungen hier Rat über Fahrmöglichkeiten beim Bauern gesucht, der in der Art Ferrero Waldnerscher Diplomatie jede klara Antwort vermied und die Verantwortung auf die Hammeln schob („aber wenn die Hammeln nicht wollen“). Nach dem Dorf, an einer Kreuzung, teilt man sich in drei Gruppen. Einige fahren mit Th, auf der Teerstraße nach Stivan, dem Ort, in dem das Mittagessen eingenommen wird, die anderen fahren mit Bernie weiter auf Schotterwegen dorthin. Bei dieser Gruppe ist für eine kurze Strecke auch Hildegard und C. dabei, die dann auf einer Teerstraße hinunterfahren durch märchenhafte Blumenwiesen, Meerblicke und stille Dörflein zur Boots-Anlegestelle Merašćica, wo sie vom Schiff aufgenommen und mit Wiener Schnitzel und frischem Salat bekocht werden. Th, hat das als Option eingeplant und das Timing dann telefonisch mit Robert und Ivo perfekt gemacht. Nach unserer verdienten Mittagspause queren wir weiter nach Süden und folgen einer Strasse bis nach Osor, einem kleiner Ort mit einer Durchfahrt für Schiffe, in der unser Boot bereits auf uns wartet.

Osor (Apsorus) ist ein stilles malerisches Dorf voller ausdrucksstarker Bronze-Skulpturen. de.wikipedia.org/wiki/Osor
Durch kleine Gassen, gesäumt von Blumenrabatten, entlang von Gemüsegärten hinter gerade renovierten alten Häusern gehen wir zum Friedhof, alle Nachnamen sind kroatisch, alle Vornamen italienisch, und zur Burgruine, in der junge Archäologinnen ein Skelett in einem Beinfeld herauspinseln.
Nach einem Spaziergang durch Osor (Apsorus; zahlreiche Statuen von Danielu Marušiću) geht es mit der Dalmatinka entlang der Westküste Küste bis nach Mali Lošinj, wo wir am Hafen den Tag ausklingen lassen. 

 

Mali Losjini eine touristische Meile mit einem Kirchberg über dem Gassengewimmel und unzähligen Eisbuden am Kai. Todmüde wird es ein eher kleiner Rundgang. 
 
Dienstag, 18.5. 2010 Joggen und Baden auf der Insel Unje und Überfahrt zu Istriens Westküste, nach Rovinj, der „Perle der Adria“
Nach dem Frühstück bringt uns die Yacht zur Insel Unje. Während der Fahrt sichten wir erste Delphin. In Gruppen schlagen sie ihre Bögen aus dem Wasser. Unter endlich warmer Sonne machen sich vier (O. und Ehemann F., Th, G. und Ulrich) ans Joggen, die anderen wandern aus dem mediterranen Dorf hinaus zu einer Bucht. Th, Krenn erzählt anschaulich jüngere jugoslawische Geschichte. Am Wegende baden die mutigeren und unempfindlicheren im frischen Wasser. Die Jogger kommen ebenfalls vorbei. Am Rückweg landen alle im Biergarten und löffeln Eis und Capuccino. Danach bringt uns unsere Yacht über die Kvarnerbucht nach Rovinj – an die Westküste von Istrien. Auf der Überfahrt lümmeln alle in Liegestühlen oder halten Ausschau nach Delphinschwärmen.
Rovinij (istriot. Ruvèigno, it. Rovigno, dt. veraltet Ruwein) - ist recht groß. Sehr italienisch. de.wikipedia.org/wiki/Rovinj Es hatte dazumal eine italienische Universität und hat wohl auch heute noch ein italienisches kulturelles und literarisches Leben. Wir erleben mehr das kulinarische in den Cafes und im Restaurants am Hafen, Danach ist alles tot im Ort keine Bar nix hat mehr was. Selbst Cafe ist aus, weil die Maschine um 10 Uhr Abends schon geputzt war - nur sehr gesunden Schnaps hatten sie um die Fremden zu vergiften. War ein bisschen „strange“ das Nachtleben in Rovinij.
Bei Wikipedia findet man: „Geschichtlich wurde Rovinj erstmals im 5. Jahrhundert als Castrum Rubini erwähnt und war erst Teil von Byzanz, bevor es zunächst von Langobarden, dann von Franken beherrscht wurde. Ab 1283 zu Venedig gehörend, erlebte Rovinj eine kurze Blütezeit und war dann Teil des Reiches der Habsburger. Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns fiel Rovinj mit Istrien an Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1947 an Jugoslawien bzw. zur Teilrepublik Kroatien, die seit 1991 unabhängig ist. Die abwechslungsreiche Geschichte hat das Stadtbild Rovinjs stark geprägt. Die auf einem ins Meer ragenden Hügel erbaute Altstadt mit ihren verwinkelten Gässchen mit ihrem romanisch-gotischen Stadtbild verfügt über zahlreiche Elemente aus Renaissance, Barock und neoklassizistischen Bauten. Überthront wird die Altstadt von der Kirche Sveta Eufemija (Hl. Euphemia) aus dem 18. Jahrhundert.   de.wikipedia.org/wiki/Euphrasius-Basilika Wahrzeichen der Stadt ist der auf dem höchsten Punkt der ehemaligen Insel stehende Kirchturm, dessen Vorbild der Campanile in Venedig ist.Euphemia war eine Märtyrerin zur Zeit des Kaisers Diokletians. Der Legende nach taten ihr die wilden Tiere, denen sie zum Fraß vorgeworfen worden war, nichts zuleide. Sie musste durch einen Dolchstoß getötet werden. Der Sarkophag mit ihren Gebeinen wurde in Byzanz aufbewahrt, verschwand jedoch in den Jahren des Bildersturms. Im Jahre 800 soll er auf wundersame Weise bei Rovinj ans Land geschwemmt worden sein. Seit dieser Zeit werden die Gebeine der hl. Euphemia hinter der Kirche von Rovinj in einem Steinsarkophag aufbewahrt. Die Hl. Euphemia wurde zur Schutzpatronin Rovinjs und ganz Istriens.“


Mittwoch, 19.5.2010 Rovinj – Poreč                          
Bike 80 km/1000 hm

Nach dem Frühstück starten wir per Bike nach Osten Richtung Limski - Kanal. Auf Einem Rundkurs auf Schotterwegen, Waldpfaden, durch Wiese, Mohnfeld, Gemüsebeete, entalng von Mauern und Weingärten bzw. Olivengärten geht es ca zwei Stunden durchs Landesinnere und wieder zurück nach Rovinj. Einigen ist das zu wenig, sie machen die ca 30 km lange Runde noch einmal. Chr. und Bernie powern mit 28 km Durchschnittsgeschwindigkeit, Th, G. und A., Odilia und Maja lassen sich etwas mehr Zeit. Nach dem dann etwas verspätet stattfindenden Mittagessen geht es mit dem Schiff weiter der Westküste Istriens entlang nach Norden, wegen Liegeplatzproblemen nicht wie geplant bis nach Novigrad sondern nur bis Poreč. Dort ist Zeit für einen ausgiebigen Stadtrundgang inkl. Besichtigung der Euphrasia-Basilika (Weltkulturerbe wegen byzantischer Mosaiken im Inneren der Kirche) und anschließend emeinsames Abendessen in einem von Th, und Bernie ausgewählten Restaurant-Gemäuer. Die Euphrasius-Basilika in Poreč ist die Kathedrale des kroatischen Bistums Poreč-Pula. Die in ihrer heutigen Gestalt im 6. Jahrhundert errichtete Kirche ist einer der bedeutendsten Sakralbauten Kroatiens. Weil sie in späteren Zeiten kaum verändert wurde, ist sie eines der wichtigen Zeugnisse spätantiker und frühbyzantinischer Kunst im gesamten Adriaraum; 1997 wurde sie von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Benannt ist die Basilika nach Bischof Euphrasius, der die Kirche unter Einbeziehung von Teilen des Vorgängerbaus zwischen 543 und 554 errichten ließ. Die Basilika und der sie umgebende Komplex kirchlicher Bauten (Atrium, Bischofspalast, Kapitelsaal u. a.) liegen im Norden der kleinen Halbinsel, die von der Altstadt Porečs eingenommen wird.

Poreč
(ital. Parenzo, lat. histor. Parens oder Parentium, deutsch histor. Parenz)glänzt nicht nur im Halbedelstein und Perlmuttglanz seiner wahrhaft faszinierenden Mosaiken sondern auch durch die Vielfalt an stilvollen Häusern - romanisch, gotisch, Renaissance, römische Tempelreste und k&k Fassadenzüge beeindrucken. Das Restaurant war eine echte trouvaille - ein alter Turm innen ganz ansehnlich modernisiert und das Essen war sehr gut - die Fische, die Muscheln, die Scampi, die Kartoffeln, der Mangold Stampf und erst die Walnusss Zabaione Palatschinken - zu gut.


Donnerstag, 20.5. 2010 Motovun und istrisches Stonehenge Vrsar Bike 70 km/1100 hm

Während des Frühstücks bringt und das Schiff nach Novigrad
(deutsch Neuenburg, italienisch Cittànova d'Istria, in der Antike Emonia und Neapolis). Da wir hier nur eine Behelfs-Anlegestellen nutzen, müssen wir uns mit dem Abladen beeilen und den Kai schnell verlassen. Wir radeln durch ein überraschend niedliches blitzendes lebendiges Städtchen , der Ort lebt nicht nur touristisch scheints. Wir fahren kurz auf Asphalt zu einer Salzgewinnungs-Lagune, wo wir die Asphaltpiste bereits verlassen. Stets einem kleinen Flüsschen – der Mirna - folgend geht es nun in Landesinnere, vorbei an Schafherden und Hirten. Die Eichenwälder im Mirnatal gehören nzu den besten Trüffelanbaugebieten Europas. Am Horizont vor uns erkennt man schon die markanten Umrisse der mittelalterlichen Stadt Motovun (ital. Montona) de.wikipedia.org/wiki/Motovun , wo neben Musikfestspielen auch Trüffelwochen stattfinden. Unser Pfad schlängelt sich hoch durch Weinberge und dichte Wälder. Über uns thronen die Festungsmauern. Unter uns liegt eine malerische Landschaft.


Über den Toraufgang betreten wir nun die Oberstadt. Über Straßen mit Kopfsteinpflaster und urige Hinterhöfe gelangen wir zur Stadtmauer, von wo aus wir den herrlichen Ausblick über das Zentralgebirge von Istrien genießen. Über Treppen, Steigwegen und kleinen Gässchen gelangen wir – teils auf dem Bike „sitzend“, teils schiebend - wieder aus dem Zauber dieses Ortes. Weinberge und Macchia, Mohnfelder, wildes Geißblatt, Margeriten, Ginster, Oliven, Robinien und blühende Kastanien und die rote istrische Erde bieten ein Farbspektakel und sind nun unsere steten Wegbegleiter bis wir auf einer Art Hochplateau auf unser „Stonehenge“ treffen. Große Steinblöcke sind in Reih und Glied aufgerichtet und erzählen in glagolitischer Inschrift wundersame Dinge.
Diese wurde um 860 von dem aus Byzanz entsandten, aus Thessaloniki stammenden Gelehrten Konstantin, der später als Mönch den Namen Kyrill A.hm, für die Zwecke der Moravisch-Pannonischen Mission und ersten slawischen Kirchengründung entwickelt. Da das griechische Alphabet für die slawischen Sprachen nur eingeschränkt geeignet war und Konstantin die kulturelle Eigenständigkeit der Slawen betonen wollte, konzipierte er die glagolitische Schrift als „Abstandschrift“; d. h., er legte ihr zwar das griechische System („Schriftdenken“: Buchstaben mit Laut- und numerischer Funktion) zugrunde, schuf jedoch ein von anderen Schriften formal unabhängiges, neues Alphabet. Freilich konnte sich Kyrill dabei dem Einfluss anderer Schriften nicht ganz entziehen. Als Quellen dienten ihm neben den griechischen Minuskeln auch kaukasische (insbes. das georgische) und semitische Schriftsysteme. Sicher ist ebenfalls, dass christliche Symbole (insbes. Kreuz, Kreis, Dreieck) bei der Formgebung eine wichtige Rolle spielten. Aus der konstruktiven Urform der Glagoliza entwickelte sich zunächst eine runde, dann auch eine eckige Variante. Die runde Glagoliza dominierte im bulgarisch-makedonisch-serbischen Raum, die jüngere eckige vor allem in Kroatien und wurde ab dem 16. Jahrhundert auch für den Buchdruck verwendet. 
eckige Glagoliza (blau), runde Glagoliza (grün) und Kyrilliza (rot)
de.wikipedia.org/wiki/Glagoliza
de.wikipedia.org/wiki/Kyrillisches_Alphabet
Mittagessen gab es – alle hatten schon mächtig Hunger - in einem Agriturismo – erstmals mit Trüffelgerichten. Das Wetter ließ es zu, daß wir draußen aßen. Unser Zielort ist heute Vrsar (italienisch: Orsera, deutsch: Orser). de.wikipedia.org/wiki/Vrsar Schon bei der Einfahrt in den Hafen sieht man „links oben“ eine Kirche (Pfarrkirche des Hl. Martin) liegen, zu der dann alle – nach Abendessen auf Schiff - auch gemeinsam hochwandern. Oben stehen schick renovierte Häuseranlagen, wohl Ferienbehausungen. Irgendwie recht edel hier. Vrsar ist und war berühmt für seine FKK Strände und für seine Yachtanlegestellen. Um unsere kleine Jolle stehen die Millionenkreuzer. In der Bucht liegen quasi kreisrunde Inselchen. Wie hingetupft.

Freitag, 21.5.2010 von Istriens Westküste bis zur Ostküste 
(Vrsar – Limskikanal – Dvigrad – Svetvinčenat – Barban – Raša – Labin – Rabac) 
Bike 90 km/1300hm

de.wikipedia.org/wiki/Limski_kanal  „Heute erwartet uns eine konditionell anspruchsvolle Tour“ – weshalb M., Romy, Hilde und C. entscheiden, nicht mit zu radeln sondern auf dem Schiff zu bleiben. Nach dem Frühstück geht es nordseitig am Limski Kanal entlang. Geologisch handelt es sich beim Limski-Kanal allerdings um eine Ria und nicht um einen Fjord, da er nicht aufgrund von Erosion durch einen Gletscher, sondern durch einen Fluss entstand: Die Pazinčica grub auf ihrem Weg in die Adria in Jahrmillionen nicht nur das etwa 35 Kilometer lange Lim-Tal (Limska draga oder Limska dolina), sondern auch den etwa 10 Kilometer langen Meeresarm selbst. In antiker Zeit verlief in diesem Raum der Limes (von lat. limes für Grenze), der das Gebiet von Pula und Poreč trennte und dem Meeresarm seinen Namen gab. Der Schotterweg weist kurzstreckige Steigungen und Gefälle auf. Da das Tempo wie üblich eher flott ist oder warum auch immer, jedenfalls kommt es schon im ersten Viertel der Tagestour zu einem Sturz (Yvonne), der glücklicherweise ebenfalls weitgehend glimpflich abgeht. Wir passieren Kloštar (kurze Pause, Uli trinkt einen Espresso, dass dauert etwas länger als erwartet, weil der Wirt mit Spanferkelbraten beschäftigt ist) und gelangen hinauf zur alten Doppel-Burg „DVIGRAD“, wo wir eine längere Pause machen.
Vorbei an Kanfanar gelangen wir anschließend nach Svetvinčenat, wo wir einen kleinen Rundgang machen (Kirche Sv. Marija, Burg Grimani aus dem 17. Jahrhundert, schöner Stadtplatz, kleine Geschäfte mit gutem Schinken und Käse) und unser Mittagessen inkl. Trüffelgericht) genießen.
Svetvinčenat Kirche Sv. Marija - Burg Grimani   
Auf unbekannten (- ein Teilstück wird aktuell ausgekundschaftet) Schotterwegen und schmalen Straßen fahren wir weiter nach de.wikipedia.org/wiki/Barban Barban (229 m ü.d.M.; Capuccino) und von dort hinunter auf Meeresniveau (Raša). Jetzt wieder etwa 300 Hm hinauf in die alte Bergarbeiterstadt Labin(erneut Eis und Capuccino). Hier stoßen die Schiffsdamen mit dem Taxi zu denen die mühsam den Berg per bike erklommen haben. Der Tag auf dem Schiff war Entspannung und optische Freude, das Licht, der Himmel, das Blau, die Luft, das Grün, weiße Klippen, schließlich Sonne in Rabac.

Labin (dt. Tüberg, ital. Albonade.wikipedia.org/wiki/Labin Der Name Albona oder Alvona, so kann man bei Wikipedia nachlesen, ist wahrscheinlich illyrisch-keltischen Ursprungs und deutet darauf hin, dass mindestens ab dem 4. vorchristlichen Jahrhundert eine feste Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Altstadt bestanden haben musste. Funde aus der Jungsteinzeit und aus der Bronzezeit lassen aber auch vermuten, dass schon lange vorher auf dem günstig gelegenen Hügel gesiedelt wurde. Ab 177 v. Chr. kam Labin unter römische Herrschaft und wurde der Provinz Illyricum zugeschlagen. Das älteste erhaltene schriftliche Dokument der Stadt - die steinerne Inschrift RES REPUBLICA ALBONESSIUM - stammt ebenfalls aus der römischen Zeit (3. Jh. n. Chr.). Nach dem Fall des weströmischen Reiches im Jahre 476 n. Chr. stand Labin in den nächsten Jahrhunderten unter verschiedenen Herrschaften. Nacheinander kamen und gingen Ostgoten, Byzantiner, Langobarden, erneut Byzantiner und schließlich die Franken. Ab 902 n. Chr. und bis 1207 n. Chr. war Labin Teil des Deutschen Reiches, wobei die politische Gewalt in Istrien und damit auch in Labin zu dieser Zeit meist von Adelsfamilien aus Kärnten ausgeübt wurde.Ab 1207 und bis 1420 hatte dann der Patriarch von Aquileia (nördlich von Venedig gelegen) in Labin und Umgebung das Sagen, bevor mit der Eingliederung in die Republik Venedig (am 3. Juli 1420) eine neue Zeitrechnung begann. Die fast vierhundert Jahre venezianischer Herrschaft bescherten der Stadt einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und auch die meisten der heute noch sichtbaren Baudenkmäler in der Altstadt. Mit dem Untergang der Seerepublik 1797 folgte ein kurzes Gastspiel der Franzosen unter Napoleon, bevor Labin ab 1813 zusammen mit ganz Istrien Österreich zugeschlagen wurde. Im 19. Jh. setzte ein erneuter wirtschaftlicher Aufstieg der Stadt ein, der unter anderem durch die Ausbeutung der Kohlevorkommen in und um Labin erreicht wurde. Nach dem ersten Weltkrieg (1918) und dem Zerfall des österreichischen Vielvölkerstaates wurde Labin durch den Vertrag von Saint-Germain nach Italien eingegliedert und blieb es bis zum Ende des zweiten Weltkrieges 1945. Am 2. März 1921 traten die Bergarbeiter von Labin wegen schlechter Arbeitsbedingungen in den Ausstand. Nach 36 Tagen wurde dieser gewaltsam beendet und die verantwortlichen Führer bestraft. Diese Episode ging als Labinska Republika (Republik Labin) in die Geschichtsschreibung ein. Zwischen 1945 und 1991 gehörte Labin zur Sozialistischen Teilrepublik Kroatien innerhalb Jugoslawiens und seit 1991 zur souveränen Republik Kroatien.

 

Labin ist eine Geschichtsfundstätte, eine Stadt der Denker und der Revoluzzer, die freie sozialistische Republik Labin. Der Bergarbeiteraufstand von 1921 gegen die italienischen Unterdrücker. Der dann natürlich blutig beendet wurde. Ein Ort der Partisanen und Titos Weggefährten.Heute modert es ein wenig, alternativ esoterisch anmutende Jünglinge huschen herum. Ein wirrer Mann hält Reden. Wir nehmen den Bus machen eine Rundreise durch die fesch bebauten neuen Wohnsiedlungen und fahren hinab ans Meer.
Von Labin aus geht es auf der Teerstraße (bis auf Bernie, der ist den Fußweg runter, trotz abgefahrener Reifen) flott hinunter in die Hafensiedlung Rabac, unserem heutigen Tagesziel. Hier besteigen wir unser Schiff, wo wir unsere letzte Nacht an Bord verbringen. Th, übergibt der Mannschaft das von uns eingesammelt Trinkgeld, hält entsprechende Lobesreden, der Kapitän spendiert eine Runde Pflaumenschnaps „šljivovica“.
Fassade der Pfarrkirche Mariä Geburt mit venezianischem Löwen
Samstag, 22.5. 2010 Überfahrt von Rabac nach Opatija
de.wikipedia.org/wiki/Opatija
Nach einem Frühstück an Board fahren wir zu unserem Ausgangpunkt mit dem Schiff zurück. Maja überreicht das von uns spendierte Trinkgeld an Th, und Bernie, ebenfalls mit ein paar wohlgesetzten Worten. Th, antwortet mit Lobesworten an die Gruppe und insbesondere an die, die sich sehr angestrengt habe. Er behauptet, er würde nachdenken über das, was ihm zur Optimierung vorgeschlagen wurde (Beachtung des Parameters Tempo neben Höhenmeter und Streckenkilometer, Überforderung durch zu schnelles Tempo birgt höhere Unfallgefahren, kann auch durch häufige Pausen nur bedingt ausgeglichen werden, wegen zu hohen Tempos erforderliche zusätzliche Pausen bzw. Warten auf Zurückgebliebene erhöht insgesamt den Zeitaufwand für die Tour. Zielführend wäre, wenn jeder mal vorne mal hinten mal in der Mitte fährt und dies als wünschenswertes Verhalten bei Fahrradgruppenreisen etabliert werden könnte.)
Wir landen um 9:00 Uhr in Opatija an. Die Autos stehen schon am Kai. Wir verabschieden uns.

 

 

 

Quellenangaben:
 
Reiseführer: Merian live! Istrien – Das nördliche Koratien, Peter Hinze, 2010, Verlag Travel House Media GmbH München
 
Kompass Karte 238 Istrien – Istra – Istria (Wandern – Rad) 1: 75000
 
Kod & Kam Izletniško navtična karta Kvarner – Krk, Cres, Rab, Lošinj 1: 100000
 
Sprachführer: Kauderwelsch, Kroatisch – Wort für Wort (+ CD)
 
Internet:
 
 
   

 

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