Franche-Comté 2019

Franche Comté – entlang des Doubs von Dôle über Besançon und Montbéliard nach Altkirch auf dem EuroVelo 6 und dem Canal du Rhône au Rhin - mit einem Abstecher zur Saline in Arc-et-Senans - Radreise mit Gepäck; 9 Personen; 15. bis 21.Sept. 2019; privater Fahrradzirkel Raum München-Landshut; An- und Abreise mit 4 PKWs, Treffpunkt in Altkirch-Wittersdorf beim Hôtel Restaurant Kuentz-Bix, dort auch Tourende.

So 15.09.2019 - Zusammentreffen und Mittagessen „beim Kuentz“ in 68130 Wittersdorf (13 Rue Altkirch, kuentz.free.fr – Tel. 00 33 389 40 95 01), mit drei von vier Autos fahren wir zur ersten Unterkunft in 39100 Gevry bei Dôle: Chambre d’hôtes „La Bonardière (D. Chauvreau & IG Pilloud, 3 Rue du Puits; Tel. 00330384 71 05 93). Da der Gastgeber von Beruf Metzger (charcutier) ist, gab es reichlich Wurst (saucisse de Morteau), dazu Cancoillotte, eine aus Molke gekochte Käsesoße, und Kartoffeln (das Ganze nennt sich „assiette comtoise“) und Käse aus der Region: Comté und Morbier.

Mo 16.09.2019 - Am nächsten Morgen steigen wir auf die Räder um auf verkehrsberuhigten Straßen nach Dôle zu gelangen. Durch enge Gassen kommen wir zum Geburtshaus von Louis Pasteur (www.terredelouispasteur.fr), zu den vier Schwatzbasen, zur Kirche „Collégiale Notre Dame“ aus dem 16. Jh., mit 73 m höchster Glockenturm der Franche Comté und ins Gerberviertel …. Dôle war unter der Herrschaft Burgunds eine Zeit lang die Hauptstadt Burgunds (später war es dann Besançon) fr.wikipedia.org/wiki/Dole

Entlang des Doubs bis Orchamps, dann auf einer ermüdend-geraden und heißen Straße durch den Forêt de Chaux erst bergauf dann hinunter ins Tal der Loue zur königlichen Saline (Saline Royale) nach Arc-et-Senans, wo wir uns zunächst mit Kaffee stärkten und etwas aus Wikipedia zur Entstehung der Saline vorgelesen bekamen (www.salineroyale.com). Da der Entritt ins Weltkulturerbe über 10 Euro pro Person gekostet hätte, verzichten wir auf ein Rundgang durch die verschieden im Halbkreis angeordneten Häuser (Haus des Direktors, Salzsiederei, Arbeiter-Unterkünfte …) und leider bekamen wir auch kein Video zu sehen über die vom Architekten Ledoux im Auftrag von Ludwig XV geplante und 1779 fertiggestellte Manufaktur zur Salzgewinnung und erhielten auch keinen Eindruck von den Plänen Ledoux‘s hier eine Idealstadt zu errichten (--> de.wikipedia.org/wiki/Revolutionsarchitektur). 

 

Auf weiterhin eher hügeligen Straßen ging es nach Liesle in die Unterkunft: l’Aum-Ônerie, ehemals das Haus einer Comtesse, zeitweilig Armenhaus, dann von Alain  Cussey (einem selbständigen Krankenpfleger) mit Liebe zum Detail (Kristall-Karaffen, bestickte Wäsche, Messerbänkchen, feine Gläser …)  zu einer Gîte de Charme renoviert – mit einem wunderschönen und von ihm selbst soweit es seine Zeit erlaubt gepflegten Garten (Tel. 00 33 3786 12 45 30; 16 Rue de Bourg Sec, 25440 Liesle; m.gitecharmeliesle.com).

Vor dem Abendessen begaben sich vier Unentwegte zu einem erfrischenden Bad in die Loue (einem Nebenfluss des Doubs) beim Örtchen „Champagne sur Loue“. In der nahegelegen Bahnhofsgaststätte (die extra für uns öffnete) bekamen wir einen lecker angemachten frischen Salat und reichlich Putenfleisch mit knackigen Pommes frites zu essen. Als Aperitif gab es den aus Chardonnay- und Savagnin-Trauben gewonnenen Macvin du Jura, zum Essen Arbois-Weine und als Digestif einen doppelt distillierten und entsprechend hochprozentigen Marc du Jura - Tissot).  Als Nachtisch gab es wieder Käse der Region bzw. Vacherin.

Di, 17.09.2019
Vor dem Bild der Comtesse werden Fotos geschossen dann verlassen wir dieses gastliche Haus.Wieder zurück an den Doubs geht es weiter auf dem EuroVelo6, wo wir kurz Stop machen an einem Durchstich-Kanal (mit Wasservorhang). Dannradeln wir bis kurz vor Besançon.

Nicht ganz zur Freude aller nähern wir uns der im Nordwesten der Stadt gelegenen Unterkunft, dem „Centre International de Séjour“ (3. Avenue des Montboucons, 25 000 Besançon, Tel. 0033 381 50 07 54, CIS) durch Überwindung jener Anhöhe, auf der auch die Zitadelle von Besançon liegt und weiterer in den nord-westlichen Vorstadtgebieten gelegenen Anstiegen, und das bei 30 Grad Celsius. Nach dem Einchecken geht es husch husch mit den Rädern in die Innenstadt von Besançon, zu der für 14:30 Uhr anberaumten Stadtführung - fr.wikipedia.org/wiki/Besançon . Es reicht gerade noch für einen Kaffee und süße Stückchen an Straßentischen in der Fußgängerzohne beim „Brioche dorée“.

Durch die Stadtführung lernen wir Besançon als alte Römerstadt kennen, als eine Stadt des Hl. Römischen Reichs deutscher Nation, als Habsburger-Stadt mit Verbindung zum Flämischen, als Hauptstadt Burgunds (zuvor war es Dôle) und als Universitätsstadt. Früher war Besançon schmutzig grau, jetzt sind die Stein-Fassaden geputzt und lassen die farblichen Unterschiede von blauem und hellbraunem Kalkstein gut erkennen. Vom ehemaligen, von Ledoux erbauten Stadttheater steht nur noch die Fassade. Wir sahen das Maison Victor-Hugo, eine Gedenktafel an die Brüder Lumière, eine Apotheke mit einem altherkömmlichen Officinium, ein noch verbliebenes Uhrengeschäft, Außentreppen in Innenhöfen, den Quai Vauban ….

Nach einem spartanischen Abendessen im CIS und einem kleinen Absacker im rückwärtigen (!) Außengelände der Unterkunft fallen wir müde in die schmalen Betten.

Mi, 18.09.2019
Nach einem ebenfalls recht bescheidenen Frühstück im Centre international de Séjour geht es hinunter zu der Doubs-Schleife, die die Altstadt von Besançon umgibt und die für die Verteidigung der Stadt von einem Festungsbaumeister namens Vauban geschickt genutzt wurde de.wikipedia.org/wiki/Festungsanlagen_von_Vauban - siehe historische Abbildung.

Trotz teilweise katzenstein-holpriger Innenstadtwege war es lohnend diese Flussschleife noch mit in das Tagesprogramm aufzunehmen, gewannen wir so doch weitere Einblicke in eine Stadt, die anzuschauen man eigentlich zwei bis drei ganze Tage benötigen würde.

Und weiter geht es auf dem EuroVelo6de.eurovelo.com/ev6 - durch das malerische Doubs-Tal mit Waldlichtungen und Kalksteinfelsen, die uns an das Altmühltal oder auch an das Tal der jungen Donau erinnern. Während die Wasservögel (u.a. Kormorane, Graureiher, Schwäne) sich aus dem Fluss ernähren können, bekommen wir langsam Hunger.

 

Wir machen Rast auf einer sonnenbeschienen Wiese vor einer alten Dachziegelmanufaktur (la Tuilerie de Vaire-le-Petit)  und finden schließlich, durch den kalten Wind auch schon etwas ausgefroren, ein Restaurant in Laissey (oben auf der Hauptstraße, in der Nähe des Bahnhofs, im „Laissey Vous Tenter“, wo wir nach etwas mühsamer Platzsuche aufs Köstlichste speisen können. Auch an den folgenden Tagen gelingt es uns, ein Mittagessen in einem der von der einheimischen Bevölkerung gut besuchten Restaurants zu ergattern, z.B.  Restaurant Montfort (Clerval), Hotel de la Place (Voujeaucourt) und La Couronne (Carspach). Wir gelangen nach Baume-les-Dames, wo wir auf die Pâtisserie Thibaut stoßen, die uns zu einem Nachmittagskaffee und Eis bzw zu Eis-Baiser-Torte (Vacherin) einlädt

– bevor wir versuchen, die Sehenswürdigkeiten des Ortes zu finden, als da wären, die Kirche Saint Martin - mit diversen Statuen wie der Vierge de Pitié von 1549, der Heiligen Barbara 16. Jh, dem Hl. Vinzenz, dem Patron der Weinbauern (1783), einer Kopie eines Reliquenschreines des Hl. Germanus – die alte Abtei, ein Nonnenkloster, das dem Ort den Namen gab (l’Abbaye Sainte-Odile), alte Bürgerhäuser, z.B. das der „Sires de Neufchâtel“ (das wir erst am nächsten Tag und auch da nur mit Mühe finden) sowie die 154o noch weitgehend aus Holz erbaute „Chapelle du St-Sépulcre“ am Nordrand der Stadt.

Von hier aus (entlang der Friedhofsmauer) geht es auf einem Single Trail steil bergauf (schiebend, teilweise das Gepäck gesondert hochtragend) hinauf zu einer Unterkunft in einem Bauernhof (in Lieu-dit St.Ligier) zu Veronique und Patrice Ramel (Tel, 0033 381 84 09 13, 25110 Baume-les-Dames)

de.wikipedia.org/wiki/Baume-les-Dames Hier werden wir sehr freundlich empfangen und kulinarisch aufs Beste betreut mit Produkten des Hofes (Salat, Boeuf, pommes de terre, Comté, Nusskuchen). Zum Trinken gibt es heute einen Crémant du Jura und andere Weine der Region.

Do, 19.09.2019
Nach geruhsamer Nacht und üppigem Frühstück (und Blick in den Hühnerhof, nein Perlhühner, laut gackernd) geht es – vorbei an der Statue der „Vierge de Choléra“ mit Blick über die Stadt – steil hinab in die Gassen von Baume-les-Dames, wo wir endlich das Haus der „Sires de Neufchâtel“ finden, dann wieder hinunter zum Fluss, mit Stop bei einer Statue, die dem Erfinder von Dampfschiffen gewidmet ist, dem Physiker Jouffroy d’Abbans (1751-1882), die er erstmals 1778 erfolgreich im Doubs hat fahren lassen können.

Wieder geht es entlang des beschaulich-langsam dahin fließenden Doubs – aufgestaut durch etliche Schleusen, da er gleichzeitig der Kanal ist der Rhein und Rohne verbindet. Hausboote. Angler.  Mittagessen in Clerval (Restaurant Montfort), Kaffee in der sonnig-heißen Bar de Palais in l’Isle-sur-Doubs

Um von l’Isle-sur-Doubs nach Rang (hoch) zu gelangen, mussten wir eine vielbefahrene Straße entlang fahren, fanden aber schließlich einen im NAVI erkenntlichen Feldweg, der uns bis hinein nach  Rang und am Ortsende zur Unterkunft führte: Chambre d’hôtes „Les Charmettes“, Cathérine Dévroux, 10. Grand Rue, 25220 Rang, Tel. 0033 381 92 51 68, wo es sogar einen Pool gab.

Beim Abendessen blieben wir in dem großen Raum - hier gab einen Pool-Billard-Tisch, ein Klavier sowie vom Zimmermann-Sohn-des Hauses gefertigte Holzmodelle von Dachstühlen - unter uns.

Fr , 20.09.2019
Beim Frühstück, welches in einem anderen großen Raum stattfand, war die aufgelockert durch einen Kakadu, der die Runde im Raum machte. Wir müssen wieder hinunter nach l’Isle-sur-Doubs und wählen dazu einen (etwas grobsteinigen) Feldweg. Dann verfolgen wir den Doubs in Richtung Montbéliard. Das Mittagessen nehmen  wir in Voujeaucourt im „Hotel de la Place“ in B ein, das wider Erwarten eine sehr gute Qualtität bietet.

Danach geht es weiter nach Plan nach Montbéliard, wo einer von uns zunächst in einem Park eine Einführung in die Geschichte der Stadt gibt, die lange Zeit zum Hause Württemberg gehörte. Behindert durch zahlreiche Einbahnstraßen und nicht unerhebliche Steigungen gestaltete sich die Besichtigung der Stadt (z.B. Bauten des schwäbischen Architekten Heinrich Schickhardt) schwierig. Mit Mühe gelangten wir aufs Schloß, passierten les „Halles“ und fanden auf ein paar Umwegen die Église St.-Maimboeuf, die 1875 nach der Re-Katholisierung des protestantischen Montbéliard erbaut wurde - de.wikipedia.org/wiki/Montbéliard .

Als die Nerven schon ziemlich erschöpft waren und wir die Stadt in Richtung Étupes verlassen wollten, lud uns der heutige Stadtführer ein in der Abendsonne in einem modernen Kaffee im Park noch etwas zu Trinken oder zu Essen, so dass wir danach die Weiterfahrt gestärkt und in aller Ruhe antreten konnten.

Die Unterkunft in Ètupes (Restaurant und Hotel „Vieille Ferme“, 33. Avenue du Général de Gaulle, 25460 Ètupes, Tel. 0033 381 32 21 75) erfüllte uns nur mäßig mit Freude. Wir waren ebenerdig in sehr kleine Räumen („appartements“, eher Boxen) untergebracht. Immerhin gelang es die (durchaus freundliche) Bedienung dazu zu bewegen uns ein paar Gläser „vin jaune“ auszuschenken, eine Spezialität der Franche Comté - den er uns spendierte. Wir tranken ihn auf sein Wohl.

Sa, 21.09.2019
Am letzten Tourtag verzichteten wir aus Zeitgründen auf die Besichtigung Belforts. Der heute für die Stadt zuständige „Referent“ briefte uns mündlich mit den wichtigsten historischen und touristischen Details (Löwe von Belfort, Zitadelle) der Stadt.

Nun ging es nicht mehr entlang des Doubs wohl aber entlang des Kanals, der Rhein und Rhone verbindet. In einer langestreckten Passage kamen wir an vielen Schleußen vorbei, die kaskadenartig dicht aufeinander folgten um den Höhenunterschied aus der Rheinebene zu bewältigen. Berichtenswert sind Angler, die mit ganz langen Angeln, an deren Ende kein Haken sondern ein Becher befestigt war, offensichtlich einen Angelwettbewerb austrugen.

Wieder etwas hügelig und auf verkehrsberuhigten Straßen gelangten wir über Dannemarie (vorbei an einem Militärfriedhof) nach Carspach, wo wir durch Zufall ein ganz hervorragendes Speiselokal fanden: "La Couronne“, zu dem die Leute wohl von weither anreisen und wo wir sehr gut  und sehr routiniert verköstigt wurden, unter anderem mit einem Karpfengericht („carpe fritte“), dem kulinarischen Klassiker der Region.

Angekommen in Altkirch / Wittersdorf beim Kuentz bleiben drei von uns in Witterdorf – und suchen den regionalen Supermarché auf zwecks Einkauf von regionalem Käse und Wein. Die anderen fahren mit dem in Wittersdorf verbliebenen Auto nach Gevry, wo wir drei Autos am Beginn der Radtour hatten stehen lassen. Beim Auseinandergehen sind sich alle einig, dass „die Franche Comté“ eine tolle und eine rundum geglückte Unternehmung war. Wir wünschen dem Impulsgeber und Chef des Radlzirkels viele weitere derartige Touren.

Literatur und Karten:

 

 

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