Belluneser Dolomiten 2020

Vier anspruchsvolle Rennrad-Touren in der Region Belluno (Do bis So, 17. Bis 20.09.2020)
10 000 Höhenmeter auf 450 km (459km / 10061Hm) in vier auf einander folgenden Tagen:

Tag1 (Belluno): Praderadego 910, San Boldo 706 - 103km / 2424Hm

Tag2 (Belluno) : Forcella Aurine 1299, Duran 1605 - 124km / 2565Hm

Tag3: (Ponte delle Alpi): Alpago Hochebene, Piancavallo 1280, San Osvaldo 827 - 137km / 2867Hm

Tag4 (Feltre): Cima Campo, Passo Croce d’Aune 1011 - 95km / 2205Hm


Als Toni diese Tourenvorschläge im Tour-Magazin Heft 5-2020 las, war ihm klar, diese Touren will er fahren. Auch ich war interessiert, zumal mir die Region schon etwas vertraut war von Touren, die ich mit Freunden vom Radsportverein Burglengenfeld in früheren Jahren unternommen hatte, von Pieve di Cadore sowie von Feltre aus, z.B. Passo Giau, zum Lago di Misurina,  Passo di San Boldo, Passo Cereda; Longarone mit der Staudamm-Mauer bei Erto / Digont.

Auch andere Rennradler aus dem Radsportverein Moosburg hatten diese Touren entdeckt und sind sie auch schon gleich im Sommer gefahren. Wir wollten uns erst im Herbst dran machen, nach dem 15. August, wenn die Italiener keine Ferien mehr haben, wenn sich Corona weiter beruhigt hat und das Wetter stabil schön sein würde. Kurzfristig einigten wir uns auf 16.-bis 21. September. Wir hätten gerne noch andere Rennradfreunde dafür begeistert, aber so kurzfristig hat das dann leider nicht geklappt.

Traumtouren in den südlichen Ausläufern der Dolomiten
Das Valbelluna markiert die Grenze zwischen Venetien und dem Friaul. Eine Alpenregion mit rauem Charme und unentdeckten Pässen. GPS-Daten gibt's hier, die ganze Geschichte in TOUR 5/2020
Die Region Venetien (italienisch: Veneto) liegt im Nordosten Italiens, zwischen der Adria und den südlichen Dolomiten. Im Norden/Nordwesten grenzt Venetien an Trentino-Südtirol, im Osten an Friaul-Julisch Venetien. Das Tourenrevier wiederum erstreckt sich zum Großteil in der am Alpenrand liegenden Provinz Belluno.Der gleichnamige Hauptort liegt im Piavetal, dort, wo sich das nach Süden aus den Dolomiten herausführende Flusstal deutlich verbreitert und einen markanten Schwenk nach Westen macht. Erst bei der Stadt Feltre orientiert sich die Piave wieder nach Süden und durchbricht die letzte Bergreihe hinein in die Po-Ebene. Die Tour 2 führt ins östlich benachbarte Friaul, vorbei am Lago di Santa Croce, der wegen seines thermischen Windes beliebt bei Surfern und Kitesurfern ist.
Belluno liegt 390 Meter hoch, der höchste Punkt unserer Touren, der Passo Duran, auf 1.605 Metern. Der überwiegende Teil der Straßen verläuft in moderaten Höhenlagen zwischen 700 und 1.300 Metern. Unterschätzen darf man das Revier aber nicht, denn die Anstiege sind zahlreich und unsere vorgeschlagenen Rundtouren lang. Außerdem sind durchaus einige giftige Rampen darunter, zum Beispiel am Passo Praderadego. Dort ist jeder Zahn mehr am Rettungsritzel willkommen. Generell gilt für die wechselhafte Qualität der italienischen Straßen: Reifen mit 25 oder besser 28 Millimetern Breite verbessern den Fahrkomfort. Auch auf eine gewissenhafte Beschilderung ist keineswegs Verlass, deshalb ist ein GPS-Gerät mit Track-Navigation eine große Hilfe.


www.tour-magazin.de/touren/italien/reise-italien-die-schoensten-rennradtouren-in-belluno/a48808.html
www.komoot.de/collection/921050/belluno-traumtouren-in-den-suedlichen-auslaeufern-der-dolomiten

Ad 1 (Tour 3 aus Tour 5-2020 /Komoot) - Praderadego 910 m, San Boldo 706  m -  102 km und 2 360 Höhenmeter

Am Bahnhof von Belluno vorbei nach Nordwesten aus der Stadt nach „Bolzano di Belluno“ auf dem Radweg, der unterhalb der Belluneser Dolomiten nach Feltre führt, über Conzago, Tisoi,  Libano, Bolago, Mas, Mis, Sospirolo, Gregorio nelle Alpi bis Cesiomaggiore, von hier nach Süden hinunter zur (hier aufgestauten) Piave, die wir bei Busche überqueren. Hier treffen wir auf die „Claudia Augusta“, ein ebenfalls viel genutzter Weitwander-Radweg.

Blick von der Busche-Piave-Brücke auf die Belluneser Dolomiten (Südweite)

     

Jetzt in östlicher Richtung bis Tiago und dann teilweise (über drei bis vier Kilometer) auf Schotterstraßen und mit Steigungen von 18 bis max 23 % über den Ort Praderadego  zum Pass auf bis auf 910 m.

Vom Praderadego-Pass aus  kurvenreiche Abfahrt, jetzt durchgehend geteert nach Süden, nach Cison di Valmarino (im „Prosecco-Land, Valdobbiádene), hier ein kleine Stück nach Osten und über Tovena hinauf zum Passo di San Boldo (706 m), der im oberen Abschnitt für seine Tunnelkehren bekannt ist. Da diese so eng sind, dass die Fahrzeuge nur in einer Richtung fahren können, gibt es Ampeln, die so knapp geschaltet sind, dass wenig Zeit für Fotos bleibt, deshalb hier ein Foto, das von weiter unten aufgenommen wurde:

 

Genüßlich Abfahrt nach Norden (in Richtung Piave-Tal), bis Campedei, von hier in östlicher Richtung  über Melere nach Valmorel, wo es erneut ein paar Höhenmeter nach oben geht, jetzt wieder mit schönem Blick auf die Belluneser Dolomiten, ehe es endgültig in Piave-Tal hinunter geht.

 
 

  
Ad 2 (Tour 1 aus Tour 5-2020 /Komoot) - Forcella Aurine 1299 m, Duran 1605 m - 124km / 2565 Hm

Wie am Vortag von Belluno aus unterhalb der Belluneser Dolomiten entlang nach Westen, bis zu der Stelle wo der Fluß Mis aus den Bergen in das Valbelluno hinausfließt. Nach wenigen Höhenmeter und einigen kurzen Tunnel  kommen wir zu dem Lago del Mis, wo es erst mal einen Espresso gibt – nachdem die Hotel-Kaffeemaschine uns den Frühstückskaffee verweigert hatte. Entlang des langgestreckten Sees geht es nach Nordwesten.

   

Das Tal verengt sich, weitere (unbeleuchtete) Tunnels folgen und es gibt Brücken, die Einblicke in die Schluchten gewähren.

Auch heute sind es zahlreiche (lärmende) Motorradfahrer, mit denen wir die Freude an der (stillen) Landschaft teilen müssen.
Über bewaldetes Gebiet kommen wir in die ladinische Enklave von Gosaldo / Agordo, zunächst in das 1141 m hoch gelegene Gosaldo, von dem aus man in südwestlicher Richtung über den 1301 m hohen Passo Cereda ins Trentin gelangen würde. Wir machen eine kurze Pause an einem Kriegerdenkmal
um Kraft zu sammeln für die restlichen 150 Höhenmeter zur Forcella Aurine (1299 m)

 

Von der Forcella Aurine geht es über 600 Höhenmeter bergab ins Valle Agordina in das auf 611m gelegene Agordo. Von hier aus sind es dann wieder 1000 Höhenmeter hinauf auf den auf 1601 m gelegenen Passo Duran  „Die schöne, wenig befahrene Strecke in wirklich eindrucksvoller Natur lässt das Rennradlerherz auf Gipfelhöhe schlagen.“  Über dem Hinweisschild sieht man die Bergspitzen (Monte Molazza 2865 m) – oben angekommen , haben wir uns eine Brotzeit (Speck und Käse) verdient.

   

Über Dont, Forno di Zoldo, den Lago di Pontesei geht es entlang desTorrente Mae hinunter nach Longarone und über Ponte delle Alpi und einen teils schottrigen Radweg nach Belluno.  Hier verirren wir uns im Gewirr der Einbahnstraßen, zurück im Hotel gibt es erst mal ein Bier vom Fass.

Ad 3 (Tour 2aus Tour 5-2020 /Komoot) Start in Ponte delle Alpi - Polpet, beim Bahnhof
Alpago Hochebene, hinunter in die Ebene, Piancavallo 1280 m,  San Osvaldo 827  - 135 km - 3 170 Höhenmeter

Vom Bahnhof in Ponte delle Alpi durch die Stadt hinunter zur und über die Piave in Fahrtrichtung Süden bis kurz vor den Lago di Santa Croce. Bei Farra d’Alpago steil (18 %) hoch auf der SP 28 – kurze Begegnung mit einem Hofhund, der über die Straße auf uns zuläuft – nach Osten, nach Veldenogher. Hier Stop bei einem Brunnen – gegenüber des „Hauses des Alchimsten

 

Dann weiter (SP 422) in südlicher Richtung zur Pian di Cansiglio, einem Plateau in den Carnic Prealps, das zu Teilen in den Provinzen Belluno, Treviso und Pordenone liegt. Es wirkt wie eine grüne und flache Insel in den Bergen. Es gibt hier offensichtlich diverse touristische Attraktionen, Unterkunftsmöglichkeiten,…Wandergruppen. Weiter in südlicher Richtung (SP 61) und in zahlreichen Kehren hinunter in die Ebene (Sarone). Via Case Franzago, Budoia nach Pedemonte (kurz vor Aviano) wo es dann wieder nach Norden und mehr oder minder steil bergauf. Hier oben war es etwas kühl, außerdem war die Sicht in die Ebene (Venedig ??) eher mau bis diesig.

 
 

Von diesem Punkt ging es erst noch mal kurz bergab und erst dann hinauf zu dem auf 1280 m Höhe gelegenen Piancavallo. Es handelt sich um einen Wintersportort mit entsprechenden Bettenburgen. Es gab kein offenes Kaffee – und so fahren wir weiter, in nördlicher Richtung, talwärts bis hinunter zum Lago di Barcis, der vom Torrente Cellina gespeist wird, dem wir dann flußaufwärts in nordwestlicher Richtung folgen.

Wir verliessen die SS 252 zugunsten eines Radweges (wo wir ein letztes Mal an einem Brunnen unsere Wasserflaschen auffüllen).

 

im Bereich von Cimolais stoßen wir wieder auf die SS 251, die uns in westlicher Richtung auf den 827 m hohen  San Osvaldo führt, dann durch Erto

   

und vorbei am Lago del Vajont. Hier gab es 1983 eine Überschwemmungskatastrophe durch einen Felssturz mit ca 2000 Toten im talwärts gelegenen Longarone - de.wikipedia.org/wiki/Vajont-Staumauer. In zahlreichen Kehren geht es jetzt hinunter nach Longarone und auf dem uns bereits vom Vortag gut bekannten Weg zum Parkplatz in Ponte delle Alpi.

Ad 4 (Tour 4 aus Tour 5-2020 / Komoot - Startort: Feltre, Parkplatz beim Friedhof - Cima Campo 1440 m, Passo Croce d’Aune 1011 -          
95 km / 2205 Höhenmeter   

Anstieg über 19 km nach Cima di Campo auf 1400 m Höhe (Arsie –Mellame – Rivai – Col Perer). Die Steigung ist erträglich, es gibt auch schattige Passagen, weiter oben ist es dann eher „frisch“.

 
 
 

Es ist Sonntag und die Einheimischen nutzen jede sich bietende Gelegenheit für ein Picknick:
Schließlich ist es geschafft – und dann geht es wieder bergab, gut 500 Höhenmeter.
Castello Tesino  auf 871 m ist der westlichste Punkt unser heutigen Tour, hier würde es nach Norden entlang der Serpentinenstrasse auf den 1616 m hohen Passo Brocon gehen.
Wir fahren in östlicher Richtung hinunter zu dem auf 594 m gelegene Lamon, einem kleinen Dorf mit schönem Panoramablick auf die umliegenden Hochflächen. Über ein paar kurze Zwischenanstiege (Zawena, Sovramonte, Salzen, Aune) geht es wieder ca 400 m hinauf auf den Passo Croce d’Aune. Hierzulande ist er ziemlich unbekannt, aber in Italien genießt er Kultstatus. Hier soll Tullio Campagnolo die Idee zum Schnellspanner gehabt haben, die erste der vielen Erfindungen, auf die er später sein Unternehmen aufbaute. Der Bedeutung angemessen ziert daher ein imposantes Marmordenkmal die Passhöhe.

 
 

Die Abfahrt hinunter nach Feltre - über Belvedere und Pedavena und zuletzt entlang des Torrente Colmeda gestaltet sich unkompliziert, sonnig … In Feltre ist „die Hölle los“, aber wir fahren lieber wieder zurück nach Belluno, weil wir dort abends noch mal Pizzaessen gehen wollen.  

Bilder von Belluno und unserem Hotel „Al Ponte della Vittoria“  
   - seit fast 30 Jahren betrieben von „Wladimiro“, der aus der Gegend von Marburg stammt und auf die Idee kam, in Italien deutsche Gastronomie anzubieten  wie Kalbshaxe, Bratwurst mit Sauerkraut, Cordon bleu, diverse Arten von Schnitzel, was inzwischen sehr gut angenommen wird. Außerdem gibt es diverse deutsche und österreichische Biere, auch vom Faß, z.B. Andechser und Schleppe, der halbe Liter für 5.60 Euro (für uns Spezialpreis von 5.00 Euro).
Die (Einzel-)Zimmer waren klein aber funktionell gut eingerichtet (für die Hängeschränke gab es einen speziellen Stab, mit dem man die Kleiderbügel herausnehmen bzw. einhängen konnte), und sie waren sauber und der Zimmerservice auf Zack. Wir zahlten 35.—Euro für Übernachtung und (italienisches) Frühstück.
Im Hof gab es ausreichend Parkplätze und eine Garage für Fahrräder war auch verhanden. Man konnte draußen unter einem Segeltuchdach sitzen und drinnen gab es Plätze für 70 Gäste.

Wir sind zweimal in die Stadt gegangen, vom Hotel aus über die Ponte della Vittoria und den Fußweg (Via Sottocastello) hoch zum zentralen Platz (Piazza die Martiri, hier Bild der Via Giacomo Matteotti).

und beide Male haben wir Pizza gegessen (am Do Abend in der Pizzeria F40 und am So Abend im Ristorante Pizz. Mirapiave), einmal auf dem Bürgersteig auf einer  Art Biertischgarnitur, das zweite Mal etwas vornehmer im Innenraum mit Glasveranda mit Blick auf das Piave-Tal

 

Bei unserem Wirt mit dem altslawischen Vornamen Wladimiro aßen wir Cordon bleu, Bratwurst mit Pommes, Wildschweingulasch, Schnitzel Emsländer Art (mit Käse überbacken und Blattspinat) und einmal spendierte er uns einen Grappa (hergestellt aus den Trestern der Rebsorte Glera - der berühmten Proseccotraube), einen „Castagner Grappa Fuoriclasse Morbida Prosecco“, der mir so gut schmeckte, dass ich ihm eine Flasche abkaufte.

 

»Professore della Grappa« nennt man Dottore Roberto Castagner in Italien. Seine Besessenheit und seine Beharrlichkeit verbinden sich in idealer Weise mit seinem technischen Wissen als Oenologe. Die gesamte Brennerei wurde so geplant, dass jeder einzelne Produktionsschritt sich dem Qualitätsanspruch seines Inhabers anpasste. So lagern alle Trester in langen und hermetisch abgeschlossenen Schläuchen, die Gärung wird  durch Zugabe von selektionierten Hefen gestartet, die Oxidation durch natürliche Säure gehemmt und die entstehende Gärungskohlensäure als »Schutzgas« eingesetzt, sodass die Trester bis zur Destillation absolut frisch bleiben. Die Grappa “torbata” (= geräuchert) ist eine Innovation von Roberto Castagner und einmalig in ihrer Art. Vor der Destillation werden die Trester geräuchert und erhalten damit ihr außergewöhnliches Aroma. Die feine Einfärbung stammt von der mehrjährigen Reifung in Barriquefässern. Dadurch erhält der Grappa seine außergewöhnliche Komplexität und besondere Aromatik von Rauch, Leder, Kakao und Gewürzen.

de.wikipedia.org/wiki/Belluno  -  de.wikipedia.org/wiki/Feltre   

wir: Toni Hackl und Ulrich Randolf-Weiß

P.S:

Links für Download der Tracks ( für GPS Geräte) aus Komoot
 
Tour 1: Schluchten und Pässe – mit TOUR in Belluno
www.komoot.de/tour/165471674
Tour 2: Blick zur Adria – mit TOUR in Belluno
www.komoot.de/tour/165531021
Tour 3: Unikum San Boldo – mit TOUR in Belluno
www.komoot.de/tour/165534745
Tour 4: Tullios Berg – mit TOUR in Belluno
www.komoot.de/tour/165535906

(notfalls E-Mail an mich: [email protected])
 

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