Äthiopien 2007

OST Äthiopien – von der Afar-Senke zu den Bale Bergen
29.10.-20.11.2007

Unsere Gruppe ist klein, 9 Personen: Dr.Reinhard Bockhorni ist der Reiseleiter (Reisen und Bildung, München) und Adonay Aethiopia Travel (Addis Abeba; äthiopischer Reiseagentur). Wir fahren mit drei (das letzte Drittel nur noch mit zwei) Toyota-Jeeps. Im ersten Drittel (Danakil-Senke) begleitet uns ein Koch (samt Jeep), ein Afar-Guide und zwei Afar-Polizisten. Bedarfsweise werden noch weitere „local guides“ engagiert.
Wie das übrige Äthiopien so ist auch Ost-Äthiopien ein facettenreiches Land: 3000-jährigen Kultur - noch archaisch lebenden Völker - spektakuläre, durch tektonische Verschiebungen der Erdkruste noch immer in Umbildung befindliche Landschaften. Die Afar-Senke (Danakilien) ist mit ihren Hominiden-Funden eine Wiege der Menschheit (Lucy) und gleichzeitig ist dort ein neuer Ozean im Entstehen begriffen, eine wirkliche Mondlandschaft aus Salzseen und Schwefelterrassen (Dalol), Salzabbau mit teils noch sehr altertümli¬chen Methoden, Salzkarawanen. Die Schwefelterassen des Dalol und der Vulkan Erta Ale mit permanent brodelndem Lavasee sind einzigartige Sehenswürdigkeiten. Den Gegensatz zu diesem menschenfeindlichen rauen Tiefland bilden das kultivierte süd-östliche Hochland mit der tausendjährigen Stadt Harar und die Bale Berge mit afro-alpiner Vegetation – mit Anbau von Kaffee und Khat. Die Sof Omar Höhlen und die Grabstelen von Tutu Fella (und Tututi) lohnen einen Besuch. Im Bale-Berge-Nationalpark (Dinsho) und auf dem Sanetti-Plateau gibt es endemische Tiere, Pflanzen und Vögel zu beobachten (Berg-Nyala, Semien Fox, Giant Lobelien, blue winged goose, whattled ibis, Rouget’s rail). Der Rückweg nach Addis Abbeba durch das Rift-Valley bietet weitere landschaftliche Höhepunkte und reichlich Gelegenheit zur Beobachtung von Wasservögeln (Flamingo, Reiher, Pelikane), sowie anderen Vögeln und Tieren (Marabu, Ibis, Seeadler, Nilpferde, Gazellen, Strauße ) – beim Fischmarkt am Awasa-See bzw im Rift Valley National Park am Shala-See. In Ad-dis Abeba besuchen wir eine Fabrik, in der Rohkaffee verarbeitet wird, eine Kaffee-Rösterei und das ethnologische Museum. Ein gemeinsames Abendessen im „top view“ rundet die Reise ab.

1. Tag, Montag der 29.10.2007: Abflug mit Turkish Airlines um 11:45 von München über Istanbul nach Addis Abeba. Ankunft weit nach Mitternacht.
In Istanbul bleiben wir im Transit-Bereich des modern gestalteten Atatürk-Flughafens. Man kann in Euro bezahlen. Erste Reiseeindrücke von „fernen Ländern“: Araber in Wallegewändern, tief schwarze Farbige aus dem Sudan, in den Vitrinen fremde Speisen und exotischer Schmuck.

Nach kurzfristiger Änderung des Gates dürfen wir endlich in den Flieger. Zwischen zeitlich ist es dunkel geworden, sodass beim Abflug nicht viel von Istanbul oder vom Bosborus zu sehen ist. Das holen wir dann bei der Rückreise nach, wo beim Zwischenstopp genug Zeit für eine Stadtspaziergang bleibt.

Wir haben eine nächtliche Zwischenlandung in Khartoum wo einige aussteigen und wieder welche zusteigen. Da mitten in der Nacht sehen wir nicht viel von der Stadt.

2.Tag, Dienstag der 30.10.2007 Gleich in der Frühe Weiterflug nach Mekele. Vom Flughafen 2-stündige Fahrt über Wukro zur Gheralta Lodge. 2 Übernachtungen
Die erste Tourenplan-Änderung. Nach Ankunft in Addis Abeba gegen 2 Uhr morgens und Geldumtausch im Flughafen gehen wir nicht ins Hotel, sondern verbringen die Zeit mit einem Frühstück am Flughafen und fliegen frühmorgens nach Mekele weiter, weil der nachmittägliche Flug gestrichen wurde. Wir werden mit Obst versorgt - die Äpfel sind aus Deutschland und essen das erste Mal Ei mit grünem Pfeffer, der uns auch auf der ganzen Reise begleiten wird.
Wir fliegen weiter in das mehr als 750 km nördlich von Addis in der Provinz Tigray gelegene Mekele, wo unsere drei Fahrer auf uns warten: Assefa, Kassa und Mesfim. Auf der Terrasse  des Castel Abraha (ehemaliger Palast von Dejazmach Abraha Aura), einem schönen Hotel im italienischen Stil, wir trinken Kaffe (Buna) und schauen den Milanen zu, die über uns kreisen.

Mekele liegt in einer baumlosen Ebene (die Wüste kündigt sich an) die im Westen vom Geba River einem der Zuflüsse des Takazze, begrenzt wird sowie in Norden und Osten von niedrigen Gebirgsketten. Kaiser Johannes (1871-1889) hatte hierzu eine besondere Bindung, er soll angeblich hier gezeugt worden sein. Es war zu seiner Regierungszeit die Landeshauptstadt.

Wir sind müde und mir fallen in der Abraha Azba (=Atsbaha) Kirche immer wieder die Augen zu. Diese Kirche liegt am Wegesrand in Richtung Agula, Kwiha, Wukro. Wir gehen eine breite Treppe nach oben (ein Junge schleppt Steine die für den Wegbau gebraucht werden, Kinderarbeit???) Eine Steinglocke liegt noch verlassen rum, weil bereits eine bronzene Glocke vorhanden ist. Wir sehen die typische Bemalung: Reiterheilige, Gebre Man Festitos (der äth. Franz von Assisi) einen Priester der uns Kreuz und Schätze der Kirche zeigt. Die schöne bildliche Darstellung wie „Abraham das Meer teilt“ verwundert uns, weil das war doch Moses!!!!

Wir fahren weiter und biegen ab nach Gheralta. Wir verbringen zwei Nächte in dieser von Italienern (Enrica und Silvio Rizotti) gebauten Lodge. Wir verlassen die Straße und sind in einem kargen Land, Steinhäuser weit verstreut bilden die Unterkünfte. Ein großes Haus für Treffen und Essen steht im Zentrum. Die Steine sind so schön aufeinandergefügt, daß sich durch kleine Ausgleichungen mit Stein immer eine Waagerechte ergibt. Der Besitzer, ein freundlicher Herr (in unserem Alter, die Patrona lässt sich nur wenig blicken), begrüßt uns und lässt uns zu den Häusern bringen. Die Doppelzimmer sind in Rundhäusern untergebracht, wir Einzelne haben ein Reihenhaus.
Die Zimmer sind geräumig, der riesige Lampenschirm liegt auf dem Boden. Die Dusche ist nur betoniert, aber einfach und zweckmäßig. Die Bettwäsche ist schönstes Leinen und viele kleine Kissen. Wir gehen auf Wegen dorthin die gerade angelegt werden. Randsteine werden gesetzt. Ein Esel bringt den Schotter auf einem Gestell das aus alten Ölfässern gemacht ist und daraus wird geschaufelt. Schubkarren setzen sich wohl wegen der Gummireifen nicht so durch. 

Ein Abendessen im gemütlichen Speiseraum, es gibt St. George Bier und die Vorfreude endlich wieder ein Bett zu benutzen lässt das Abendessen schnell vergehen. Es gibt Salate und Pasta und die Serviermädchen sind einheimisch gekleidet. Der Patrone hat Vorliebe für Opern und er erarbeitet sich gerade „Cosi fan tutti“.

Wie aus www.gheraltalodgetigrai.com zu entnehmen, erfolgte die offizielle Inbetriebnahme am 25.3.2007. Das Areal gehörte bis vor einem Jahr einem Bauern namens Mebratu; dieser ist jetzt Chef der Bediensteten; sein Wohnhaus blieb unverändert erhalten. Währen der italienischen Besatzung wurde das nahe Hawzien bzw. nur wenige Kilometer neben der Straße Macallè-Adigrat gelegene Gelände ab 1936 als Kommando- und Beobachtungsposten genutzt.

3. Tag, Mittwoch der 31.10.2007: Wir erleben die Landschaft Gheralta und besuchen (zu Fuß) die Kirche Debre Tsion.

Ein gutes Frühstück und wir fahren ein Stück die gestrige Strecke zurück um zur Kirche Debre Tsion zu gelangen, die wir gestern schon ganz oben auf einem Felsensporn liegen haben sehen.

Das übliche Bild. Schöne Felder, viele laufende Menschen, viele Kandelaber, Euphorbien und andere Bäume und Sträucher, die gerade zu blühen beginnen. Opuntien. Reste von Basaltstöcken ehemaliger Vulkane, die aber bereits wieder verwittert sind.

Felder mit Teff, das fast reif ist und sich wellengleich im Wind wiegt. Tef(f) (Eragrostis tef sive abyssinica - amharisch ጤፍ ṭēff, Tigrinyaጣፍ ṭaff) ist ein nur in Äthiopien vorkommendes Brotgetreide, aus dem das Hauptnahrungsmittel Injera gebacken wird. Auch alle anderen Getreide sind vorhanden. Das Land wirkt schon wieder trocken, die Ernte ist im Gange und erinnert an die Hungersnot die Tigray vor Jahren heimgesucht hat, weil der Regen ausgeblieben ist.

Die Akazien blühen, einen schönen Weihrauchbaum sehen wir auf dem Weg nach oben zur Kirche. Viele Kinder begleiten uns. Sie putzen Ihre Zähne mit Stängeln der Scheinolive und haben alle ein gutes Gebiss. Die Hosen sind auf die merkwürdigsten Arten angestückelt und eingepasst und manchmal kann man den Ursprungsstoff kaum mehr erkennen. "Birr", "Pen", "give me money" - Rufe werden uns von nun ab begleiten. Wir klettern 200 Höhenmeter rauf und haben einen wunderschönen Blick auf andere tiefer gelegene Kirchen.

Die Debre Tsion Kirche ist eine der größten und nach zwei Heiligen benannt. Das besondere daran ist der neben der Kirche verlaufende Gang (hat nur noch eine Kirche in Lalibela). Dieser Gang enthält einen der Körbe mit denen das Bau Material von „Abraham“ (ein wahrer Wunderknabe) nach draussen geschafft wurde und einen Truhe mit Knochen (auch Abraham) und ein Baumstammsarg der relativ klein ist. Was bis jetzt noch nie so war ist eine kleine Nebenkammer, in die man nur gebückt hinein gehen kann und schöne Steinmetzarbeiten zeigt. Es ist eine Kuppel und die Darstellung sind wunderschöne grafische fast keltische Ornamentik und die üblichen Heiligen. Wir müssen alle gut für das Fotografieren bezahlen und machen uns dann wieder auf den Rückweg. Der Abstieg wird von den immer penetranter werdenden Kinderforderungen begleitet. Ich verleih Brille und Schirmmütze (und habe Mühe sie zurück zu bekommen). Eine von uns kauft eine versteinerte Schnecke und plötzlich behaupten mehrere Jungen, daß sie von ihm ist. Von wem ist sie nun? Sie sehen alle so ähnlich aus. 

Sonnenuntergang: die Sonne verschwindet zwischen Kandelaber Euphorbien in einem leichtem Staubdunst. Auch der Klippschliefer scheint die Abendstimmung zu genießen.


4. Tag, Donnerstag der 1.11.2007: Vom Hochland geht es runter in die DanakilSenke nach Berahile und Hamed Ela. 2 Camping-Übernachtungen.
Wir verlassen mit einem weinenden Auge und voller Vorfreude die schöne Gheralta Lodge. In Nagash kurz hinter Wukro kommen wir an einer weißen Moschee vorbei die das Grab des muslimischen Heiligen Ahmad an_Najashi, angeblich ein Gefolgsmann des Propheten Mohameds war und die hierher bereits 615 geflüchtet sind. Die Ortschaft soll von den Gläubigen der ersten Hidjra (Auszug) angelegt worden sein und die freundliche Aufnahme der Christen eine Missionierung verhindert haben. Aber nix genaues weiß man nicht. Außer daß die ersten Beschreibungen der Kirchen und Äthiopien von diesen Auswanderern herrühren.

Wir haben die erste (und auch die einzige Reifenpanne). Am Straßenrand angehalten haben wir sofort örtliche Helfer. Reifen von unten rausgekurbelt, Wagenheber angesetzt und es dauert nicht lange bis alles behoben ist.
Wir biegen wieder nach Agula ab und dann nach Atsbi. Wir halten an einem Markt und schauen uns die angebotenen Waren an. Eier werden in Stroh verpackt und so auch sicher zum Markt gebracht. Viel Salz gibt es, in unterschiedlichen Reinheitgraden. Was nicht verwunderlich ist, hier in der Nähe der Salzseen. Wahrscheinlich ist der Preis niedrig. Gewürze wie Ingwer, Schwarzkümmel und kleine vertrocknete Zwiebeln die uns auf der Reise immer wieder begegnen - aber niemand uns in einer verständlichen Sprache sagen kann was es für eine Pflanze ist und wofür sie benutzt wird. Auskunft ist immer: Gesund und Gewürz. Kuhfladen werden an Wänden und Zäunen getrocknet und auch zum Verkauf angeboten. Injera-Öfen und alles was zum Haushalt benötigt wird - einschließlich Hühner, Esel, Ziegen und Schafe.

Nun kommen 500 km ohne Teerstraße. Unser höchster Punkt ist 2475 m es geht immer rauf und runter. Wir halten, als uns eine (erste) Kamelkarawane entgegenkommt. Die Landschaft wird arider, Knüppel-Holz-Hütten tauchen auf.

 
 

Mittagspause machen wir bei 700 m in Berahile. Wir halten zuerst an einem etwas erhöhten Platz im Ort und fahren dann doch wieder runter. Wir sind umringt von Kindern und Erwachsenen. Es sind noch andere „Weiße“ da und wir dachten nun sind wir am verlassensten Platz der Erde.

Die Außenwände unseres Lokals bestehen aus Säcken der verschiedenen Hilfsorganisationen. Yellow split Peas Canada , Hebron Food Complex und anderes ist da zu lesen. Manchmal habe ich den Eindruck, daß das Verpackungsmaterial der Hilfsgüter genau so hohen Stellenwert hat wie die Ware selbst. Kinder werden zwar beim Haupteingang verscheucht, aber zwischen den Sackbespannungen finden sie immer Lücken zu uns durchzuschauen. Faxen zu machen und die Hand aufzuhalten.
In diesem Ort der sich in einem Talkessel befindet gibt es ausser Hütten auch einige neuere feste Gebäude – dann auch an der weiteren Strecke – die von Militär bezeugen. Ich weiß gar nicht mehr genau wo dann unsere Polizeieskorte und der Führer zusteigt. Die beiden Polizisten in Khakiuniform und Kalaschnikow machen einen ernsten aber netteren Eindruck. Sie werden von nun an unser Begleitschutz sein. Aber sobald wir in der Senke sind tauschen sie die Uniform gegen den üblichen Rock aus, nur die Bewaffnung bleibt. Wie kann man da den Dienstrang usw. erkennen? Sie sprechen kein Englisch, aber sie geben uns das Gefühl beschützt zu sein.

Uns begegnen weitere Kamelkarawanen. Hunderte Kamele, auch Esel dazwischen für die kleinen Leute die sich kein Kamel leisten können. Wir finden, daß sie nicht schwer bepackt sind. Wir kommen an den schönsten Felsformationen vorbei, farblich in der Nachmittagssonne leuchtend und nur Stein kann soooo faszinierend sein.

Nach einer Schüttel- und Rüttelfahrt ohne Ende erreichen wir Hammed Ela. Unsere Gruppe ist nun um ein weiteres Fahrzeug angewachsen, den Koch mitsamt den Zelten und der Campingausrüstung. Unser Koch bereitet uns ein super leckeres Essen zu und das versöhnt uns für vieles. Wir haben sogar einen kleinen Tisch und kleine Hocker und mit Autobatterie wird sogar eine Beleuchtung gezaubert. Alle bemühen sich, es uns bequem zu machen.

Hamad Ela = Ahmed Ela, das Afar-Dorf in der Danakil-Senke, in dem die Männer (und ihre Familien) leben, die das Salz abbauen, in dem sie ihre Äxte schmieden und schleifen, in dem die Salz-Kamel-Karavanen Rast machen, wo das Wasser aus Tiefbrunnen im ausgetrockneten Bachbett stammt, - wo wir zwei Nächte zu Gast waren.


5. Tag, Freitag der 2.11.2007: Danakli Senke - Ausflug zu den Schwefelablagerungen (Dalol) und zu dem Ass-Ale-Salzsee

Von Satelliten beobachtet driften die tektonischen Platten so ca. 2 cm pro Jahr auseinander, die eurasische Festlandsplatte im Nordosten, sowie die afrikanische Platte im Westen und die Somalische Platte im Osten des nordafrikanischen Grabenbruchs (Rift Valley). Die Danakil Senke liegt in der Mitte dieses Ypsilons.

Die Einheimischen erzählen wie Ziegen, Schafe und Esel in Erdpalten verschwunden sind. Die neuere Geologie zeigt, daß vor nicht 10 000 Jahren hier das rote Meer sich ausgedehnt hat und aber wieder von Lavaströmen verschlossen worden ist und das Wasser wieder verdunstet ist und eine bis zu 2000 m dicke Salzschicht hinterlassen hat. Der Stamm der Afar der hier lebt, war als äußerst kriegerisch verschrien. Gut, daß sie heute nicht mehr ihre „Hoden“ Trophäen sammeln und am Gürtel tragen. Wir Frauen wären da vielleicht sowieso verschont gewesen. Auch das Nomadentum haben sie im Laufe der Zeit aufgegeben, aber sie wirken immer noch abweisend und nicht gerade freundlich einladend, leichte Erregbarkeit gehört auch heute noch zu den Eigenschaften. Stolz auch - und ohne Kalaschnikov ist man kein Mann.
Der Zugang zur Danakil ist außer mit Kamelen nur mit geländegängigen Fahrzeugen möglich. Straßen, sofern überhaupt vorhanden, wurden im Bürgerkrieg gegen Eritrea zerstört (die Afar wollen auch einen eigenen Staat wie Eritrea) und außerdem ist auf dem wässrigen, salzigen Untergrund schlecht bauen und der schlechte Zugang ist auch der Schutz der Afar. Gut bewaffnet sind sie bereits und das alles wird vom „weißen Gold“ bezahlt. Jeder darf Salz abbauen wenn er eine Gebühr an die Afar-Partisanen entrichtet.
Unsere Fahrer haben aus den auf dem Autodach transportierten Diesel-Kanistern Diesel in Wasserflaschen abgefüllt und besprühen damit die Reifen und den Radkasten-Unterboden. Überall stinkst nach Diesel und ich denke „was für eine Umweltverschmutzung“, aber die Fahrer erklären mir, daß wir jetzt in das pure Salz fahren und sonst würden die Auto´s und die Reifen leiden.

Wir fahren los. Ebene bis ins Unendliche. Am Horizont aufgereiht eine Karawane.

Unsere Reifen versinken im Salz und wir fahren auf einer schmierigen Pampe. Als wir aussteigen gehen wir auf einer Salzkruste was knistert und knackt und wir sinken ein und haben Schuhe mit braunen, salzgetränkten Batzklumpen. Die Marmorähnliche Oberfläche des Salzbodens trocknet zu ziemlich regelmäßigen Sechsecken, was dann natürlich durch unser drüber laufen kaputt gemacht wird.

Der größte Hügel auf dem Salzsee ist der Dalol. Eine ovale ca. 37 m hohe und an der Basis gut 3 km lange Extrusion und besteht wie die Ebene herum aus Salz. Die durch den vulkanischen Druck im Erdinnern entstanden war. Ein kleiner Krater zusammengefallener Krater in der Mitte zeugt noch davon.

Die bröckelige Salzoberfläche wurde von Wind und Wasser erodiert und durch die heissen Quellen wird alles wieder durch die Fumarolen an die Oberfläche gebracht. Was durch die verschiedenen Mineralien die im heissen Wasser gelöst werden die die buntesteten, schrillsten Farben ergeben. Blaugrün, giftgelb, giftgrün, eisenrostig, orange usw. Im laufe der Zeit bleichen die Fumarolen aus und werden weiß was kristallene Gebilde ergibt die nur mit Brüsseler Spitzen oder unseren bekannten Eiskristallen vergleichlich ist.

Es ergeben sich auch kleine Teiche mit giftgrünem Wasser und wir laufen vorsichtig drum herum. Ein Fahrer ist irgendwann einmal einbebrochen und musste lange im Krankenhaus behandelt werden. Runde Kreise bilden das Ufer eines giftgelben Sees. Fontänen springen hoch und ringsherum sind wahre Friedhöfe von Tiere, Vögel, Heuschrecken und Libellen, die verendet und in einem erstaunlich guten Zustand erhalten sind.
Wir fahren weiter zu den Salzabbaustätten: Weißer Salzboden, lagernde, ruhende Kamele ist das erste was wir sehen. Dann Männer die mit Holzstangen in Rissen stochern und große Blöcke bewegen. Darunter kommt schon wieder Salzlake zum Vorschein. Die großen Blöcke werden in kleine 30x30 große Blöcke (ca. 10 Kilo) geschlagen und dann auf die Kamele geladen. So ein Kamel trägt ungefähr 240 Kilo. Bei 400 bis 800 Dromedaren (richtiger gesagt) pro Karawane sind das bis zu 180 Tonnen Salz am Tag. Das Werkzeug ist archaisch: An einem Akazienstamm mit Seitenast wird ein scharfes, breites Messer befestigt, das dann zum behauen genommen wird. Durch diese Haumethode lassen sich wirklich schöne glatte Blöcke herausschlagen.

Wir kommen wieder nach Hammed Ala zurück und die Mittagszeit ist weit fortgeschritten. Die Hitze ist unerträglich und es gibt nirgendwo Schatten. Wir lagern in der Hütte, essen ohne Appetit obwohl sich der Koch soviel Mühe gegeben hat und ein nettes Mädchen alles in die Hütte schleppt und versuchen ein Mittagsschläfchen zu halten.

Nachmittägliches Sitzen im beginnenden Schatten einer kleinen Hütte. Der Ort ist groß, es gibt einen Bäcker und wir werden überall begutachtet. Eine ankommende und abgehende Karawane trifft sich am Brunnen und lagert für die Nacht. Viele holen noch Wasser in unterschiedlichsten Gefäßen und Transportmitteln.


6. Tag, Samstag der 3.11.2007: Fahrt zum Fuß des Vulkans Erta Ale. Camping. Ausruhen. Im Dunklen Aufstieg an den Kraterrand (4 Std. 250 Höhenmeter, Kamelritt möglich)

Wir fahren mit einem weiteren Auto los das unsere Campingutensilien enthält, erst noch ein klein wenig über Salz und dann über verkrustete Erde. Es wird auch immer mehr wüstenähnlicher. Überall sind verkrüppelte Dattelpalmen umgefallen und im Sand eingegraben. Es muß hier wohl mal mehr Wasser vorhanden gewesen sein und oasenähnlichen Charakter gehabt haben. Irgendwann fahren wir dann durch hohes Steppengras und man könnte meinen wir sind auf Safari. Sind wir auch, denn wir sehen Trappen und Strauße zu den Herden von Kühen, Zebus, Esel, Ziegen und Schafe. Die Luft ist trüb vom aufgewirbeltenSand der Tiere. Überall sind die üblichen Afar „Tonnenhäuser“ und überall sind Kinder.

Wir fahren am Bural Ale (BorAle) vorbei und machen Mittag bei sengender Hitze inKursewat. Wie im Film kommt eine andere Reisegruppe angefahren, steigen filmend aus, schmeißen den Kindern eine Großpackung Kugelschreiber hin, springen ins Auto und fahren weiter. Wir sehen diese filmenden Franzosen oder Italiener noch öfters. Die hatten sich auch wohl auf der Strecke verfahren. Die Kinder hier gehen nicht zur Schule (in the middle of nowhere) haben kein Papier und fangen in Mangel dessen mit den geschenkten Kugelschreibern an unsere Schilder von Adonay Reisen zu bemalen.
Wir machen in einer Hütte Rast. Wir liegen am Boden und warten, was der Koch schon am Morgen für uns als Mittag vorbereitet hat. Crock, Eier im Hackfleischmantel in Tomaten-Gemüsesoße - und wir langen tüchtig zu, merken aber dann, daß es auch noch für die Fahrer reichen soll.
Wir fahren weiter und der Weg führt aus der Wüste raus in Lavagebiet. Die Auto´s quälen sich über Lavabrocken und die Fahrt wird noch beschwerlicher. Wir sehen den Vulkan-Berg im Hintergrund und hoffen, daß wir möglichst nah ranfahren können. Aber irgendwann ist Schluß und wir sind in Dodon. Ein kleines Hüttchen und ein Lagerplatz (am Müll erkennbar) und das ist es. Hier können wir ausruhen und auf den Sonnenuntergang warten.

Es ist siedend heiß. Die Fahrer spannen über die Auto´s eine Plane um so eine Pergola zu errichten, aber die Hitze hält das nicht ab. Es gibt ein Abendessen und bei Dunkelheit ziehen wir los. Stirnlampe, kleiner Rucksack, Anorak und Pulli, denn oben soll es kalt sein. Es geht weit über die Ebene. Man kann an der erstarrten Lava noch die gespeicherte Wärme des letzten Tages spüren. Uns begleiten Assefa, ein Polizist und ein Führer (local guide). Kassa war schon 3 x oben und er bleibt im Lager und unser 3. Fahrer mit seinem gepflegten Bäuchlein sieht nicht so aus, als ob er jemals noch oben möchte. Auch der Koch geht mit, er wird uns oben Tee kochen, aber die Ausrüstung trägt ein Kamel. Ich frage mich, ob Thermoskannen nicht gescheiter gewesen wären.
Die Führer laufen für uns zu schnell und auch mehrmaliges darauf hinweisen bringt keinen dauerhaften Erfolg, die Gruppe droht auseinander zu reißen. Der Weg ist nicht markiert und unserer Führer versteigen sich immer wieder. Wir machen einmal eine längere Pause, sehen auch schon mal den roten Schein des Vulkans, der aber dann wieder verschwunden ist und ich habe manchmal das Gefühl wir laufen in die verkehrte Richtung. Die Stimmung ist gespannt und keiner kann sagen wie lange wir noch haben. Aber plötzlich sind wir am Rand der Caldera. Alle sind oben und nun stellt sich Zufriedenheit ein. Nach einer kleinen Rast steigen wir in den Kraterrand ab. Das besondere am Erta Ale ist dass in seiner Caldera ein Krater mit einem permanenter Lavasee köchelt. Dieser Krater ist gut 85 Meter tief. In etwa auf halber Höhe befindet sich eine Terrasse. Auf dieser Terrasse gehen bis an der Kraterrand und dann sehen wir die Lava unter uns brodeln. Wir wagen vor bis zu dem aus aufgeschichteten Brocken bestehenden Rand und schauen dem Schauspiel zu. Es sind mehrere getrennte Becken zu erkennen und es bildet sich immer wieder eine schwarze Haut auf der ca. 1100-1300 Grad heissen Lava. Plötzlich bricht wieder ein Blubber hervor und taucht die vorher gebildete scharze Haut wieder in die Gluttiefen. Auch vom Rand her rutschen immer wieder Stücke nach. Eigentlich ist es wie in einem Kochtopf, es siedet, es bildet Blasen, es blubbert und spritzt (Gott sei Dank nicht so weit hoch zu uns) und es rührt sich natürlich um. Gelegentlich kommt ein Schwall von Gas und nach SH2-stinkenden Dämpfen zu uns hoch, was bei allen zu gewaltigem Hustenreiz führt. Wir sitzen und schauen still in die Glut unter uns, den Sternhimmel über uns und sind überwältigt.

 

Wir wollen gar nicht wieder weg aber wir müssen uns losreissen. Wieder oben am Caldera Rand wartet der Koch mit einem heissen Tee auf uns um uns zu stärken. Nach einer guten langen Pause ging es an den Abstieg. Am Lager angekommen gibt es Fußbad in einer Waschschüssel. Alle waren geschafft und glücklich. Leider stand unsere Wagenburg in der Sonne und es gab kein schattiges Plätzchen und es war doch erst 9 Uhr in der Frühe.

7. Tag, Sonntag der 4.11.2007:Es gibt ein kleines Frühstück und nun wird abgebaut. Wir fahren diesen abenteuerlichen Lava Weg wieder zurück und machen an der bereits bekannten Hütte in Kursewat Station. Es gibt wieder ein Mittagessen, die Reste davon für Reste für die Fahrer. Danach fahren wir nach Süden an den Afdera Salzsee mit dem gleichnamigen Städtchen und der gleichnamigen „Lodge“. Wir fahren in den Hof und machen eine Rast im Pavillon in der Mitte. Fliegen umschwirren uns.
Die Anlage besteht aus einer langen Reihenhauszeile mit einzelnen Zimmern. Für Durchlüftung ist gesorgt, denn die geflochtenen Matten bieten das an. Wir bekommen unsere Zimmerchen und gehen zur Dusche. Einfach aber laufendes Wasser, die Möglichkeit sich wieder nach Tagen frisch anzuziehen usw. Nur die Toilette verströmt so einen herben Geruch, daß Luftanhalten zur Pflicht wird. Die Betten sind die Gestelle mit den Matratzen aus geflochtenen Ziegenfellen die nicht zu hart und nicht weich sind. Für die Fahrer werden die Betten in den Innenhof gestellt und so haben wir nachts ein richtiges Bettenlager. Hier laufen auch einige aufreizende Frauen rum, mehrmals anders gewandet, entweder klassisch anfrikansich oder enganliegend westlich.

Auch hier verpflegt uns noch unser Koch und zaubert wieder ein schönes Abendessen aus guter Suppe, Reis mit Erdnüssen und Rosen. Endlich gibt es auch wieder Amba, unser geliebtes äthiopische Mineralwasser in Glasflaschen mit Bubbels und natürlich Bier. Nach einem 0.33 bin ich wirklich bettreif. Obwohl der Generator dröhnt und die Musikberieselung laut ist, schlafe ich schnell ein.

8. Tag, Montag der 5.11.2007: Wir schauen die Salinen in Afdera an und fahren zur Afar-Hauptstadt Semera. Übernachtung in einem „local hotel“ in Logia

Am See gibt es heiße salzige Quellen, vielleicht so 40 Grad. Es wird von der Lodge mit vielen gelben Kanistern Wasser geholt. Der See selbst ist umbaut von Trocknungsbecken für die Salzgewinnung. Heute wird das Wasser in mit schwarzer Folie ausgelegte Becken gepumpt und darf dann verdunsten. Das Salz wird in bunte Säcke zu 60 Kilo gepackt, die händisch auf einen LKW geladen werden. Der See selber hat weißen Schaum und Gestelle für die Soleleitung durchqueren die Landschaft.

Wir überholen jede Menge LKW´s immer auf der Seite wo kein Staub ist. Bei einer Pinkelpause finden wir Obsidiane. Wir sehen Geier auf einer Stellage. Wir halten an einer „driving bar“ für eine Cola und schon ist unser Notarzt wieder im Einsatz. Platzwunde über der Braue. Wird fachmännisch mit Klammerpflaster versorgt - und der Patient steht auf und bedankt sich nicht mal. Wir machen Mittag. Unser Koch hat aus Dosenfleisch mit Soße ein absolut edles Essen gezaubert. Es riecht nach Weihrauch der Kaffeezeremonie und eine Frau hat eine schöne Tätowierung. Kinder umringen uns. Ein Bub hat zugeschliffene Schneidezähne. Nebenan suchen Fettschwanz-Schafe nach Essbarem.

Assefa wirft (zusammen mit Kassa) einen besorgten Blick in die Eingeweide des To-yota-Jeep. Die Bremsleitung leckt! Auf die Frage, ob alles in Ordnung ist, antwortet er mit ja: „ischi, ischi“. Am Straßenrand eine Herde Paviane und tropische Früchte.Koreaner (Chinesen?) bauen eine neue Strasse. Die, die wir bei einer Kaffeepause treffen, sprechen kein Wort Englisch und sind wohl nicht sehr beliebt. Wir müssen auch mal anhalten wegen einer Sprengung und sehen auch einige neu in die Landschaft hingestellte Quetschwerke und Betonanlagen die wohl als ausrangiert von irgendwo her als Entwicklungshilfe kamen. Ansonsten ist der Strassenbau wie bei uns, 2 arbeiten und 4 stehen rum. LKW´s, die zurück fahren, haben den Hänger auf der Ladefläche, ich würde gerne mal sehen wie die den raufbekommen.

Wir erreichen Semera (in Karte wohl Serdo) die neue Hauptstadt der Afar. Gelbe Häuser, in Anlehnung an die Tonnenbauform auch so gebaut, werden gerade betonmäßig aus dem Boden gestampft.

Wir sehen die ersten Marabus und fahren zu dem Guesthouse in Dubti (Neseanet Hotel). Besser kann man gegen eine Invasion von Gästen nicht gerüstet sein. Blechtonnen vor dem versperrten Eiseneingangstor und die Aussage, daß keine Fremden mehr aufgenommen werden. Wir sehen uns schon wieder im Zelt nächtigen. Wir sehen erstmals Marabus und fahren weiter nach Logia was ganz nah ist.

Wir schauen uns eine Hoteela an, das aber alle als nicht gut befinden, das zweite findet dann unsere Zustimmung. Wieder die übliche Reihenhauszimmeraufteilung im Innenhof. Ein Fahrer fährt gleich in den Ort, um die undichte Stelle an den Bremsleitungen schweissen zu lassen. Wie er später gestand, hatte er die Tage zuvor nur mit den Hinterradbremsen bremsen könne, der Vorderrad-Bremskreislauf war komplett ausgefallen.
Die Zimmer sind stickig und wir entscheiden uns im Hof im Gitterbett sogar unter Moskitonetz zu schlafen.

Das Klo wird ständig sauber gemacht, obwohl es immer wieder verdreckt ist, aber ich glaube, das liegt an uns Touri´s, die bereitgestellte Wasserflaschen nicht benutzen. Die Dusche ist ordentlich. Die Polizisten - jetzt wieder in Uniform - und der Afar-Guide verabschieden sich. Der Koch zelebriert uns noch ein Abschiedsdinner – mit weißen Jackett und Fliege, Kochmütze und weißen Handschuhen. Innerhalb der geschlossenen Hotelanlage scheinen einige einschlägige Etablissement zu bestehen. Auch im angeschlossenen Lokal zur Straße scheint das Leben zu toben, - was nicht nur vom laufenden Fernseher kommt.

9. Tag, Dienstag der 6.11.2007: Wir machen einen Abstecher zur alte Afar-Hauptstadt Asaita, fahren am Awash entlang und durchqueren das Land derAfar bis zu den warmen Quellen von Bilen. Übernachtung in Bilen Eco Lodge (in einheimischer Bauweise = Schilfhütten)

Ein letztes Mal hatten wir ein Frühstück vom Koch und ein Super Omelett mit grünem Pfeffer. Wir fahren nun wieder auf befestigten Strassen, was nach den Danakil-Pisten eine richtige Erholung ist. Wir sehen unterwegs immer viele Friedhöfe oder auch einzelne Gräber, teilweise nur zu erkennen an aufgestellten Steinen oder auch an wahren Kunstwerken. Viele haben einen kunstvoll geschichteten Mittelaufsatz auf einem auch aus Steinen aufgebauten Rechteck. Wir sehen viele verunfallte LKW's, die als Rosthaufen neben der Straße lagern. Die Geier warten schon: Einen Unfall vor nicht allzu langer Zeit gab es mit Kamelen, davon liegen 3 links und 2 rechts, schon aufgequollen und ziemlich zerfleddert.

Assefa erzählt uns eine Geschichte: Ein Esel/Pferd, eine Ziege und ein Hund fahren Bus. Der Esel bezahlt den geforderten Fahrpreis, der Hund bezahlt auch, aber da er kein passende Geld hat, zahlt er mehr als er eigentlich hätte müssen, die Ziege bezahlt gar nichts. Deshalb läuft die Ziege weg, wenn ein Auto kommt, der Esel bleibt stehen (er hat ja bezahlt) und der Hund läuft bellend neben- oder hinterher, denn er will zurück, was er zuviel bezahlt hat. So erklärt sich welche Tiere die Straße verlassen und welche nicht. Uns kommt ein Kleinbus entgegen und der Esel ist zwischen uns und ich schließe die Augen, weil ich keinen Unfall sehen will. Die beiden Fahrer lachen und sind gut ausgewichen und der Esel steht Blech an Blech zwischen den beiden Auto´s.
Wir fahren am Hin- und Rückweg nach Asaita am Awash entlang und er hat stellenweise sogar Wasser. Die ersten Wasservögel sind zu sehen: Nilgänse, Papagein, Kormorane, Sekretär, Ibisse, Pelikane, Flamingos, Strausse - und auch Paviane und Warzenschweine.

Wir besuchen einen Markt in Asaita

und gehen in ein Hotel am Stadtrand (Basha Amare Hotel) um Kaffee zu trinken. Hier haben wir einen wunderschönen Blick auf den Awash und grünende wohlbestellte Gärten. In den Jahren 1933 und 1934 folgte Wilfred Thesiger, ein großer engl. Forscher, als erster dem Lauf des Awash. Der Fluß entspringt südlich von Addis im Hochland und es wurde immer angenommen er endet unbekannt im roten Meer. Aber niemand hat die Mündung je gefunden. Das Fehlen hatte bei ihm beträchtliche Neugier hervorgerufen und so brach er auf den Fluss zu vermessen. Fast 5 Monate kämpfte er sich durch ein Gelände „so tot wie eine Mondlandschaft“ und nur mit gelegentlichen Oasen. Er konnte sehen, daß der Strom in den riesigen sumpfigen Adabadasee (auch Abbesee, weißer See) hineinfloss. Er untersuchte noch weitere kleinere Seen nach Abflüssen und war sich dann ganz sicher, daß der Awash 130 km Km vor dem roten Meer ganz einfach in der Wüste verdunstet.

Wir fahren viele km und biegen irgendwann von der Hauptstraße ab uns sehen sofort Perlhühner (die immer erst eine Weile aufgeregt vor dem Auto herlaufen und dann wegspringen) und DikDik´s und Warzenschweine und Vogelgezwitscher überall. Es sieht nach Regen aus und einige wenige Tropfen fallen. Wir erreichen die Bilen Eco Lodge, was eine Anlage mit schönen Rundhütten ist. Wir bekommen die Hütten zugeteilt und unsere Fahrer fahren in den Ort zurück, weil hier für sie kein Quartier ist.

Abendessen (es sind wieder die Franzosen bzw. Italiener da, denen wir schon im Erta Ale-Gebiet begegnet waren) mit einem netten einheimisch gekleideten Mädchen. Von den Schilfhütten aus hat man eine schöne Aussicht in die darunter gelegene – dank Thermalwasser - Feuchtebene mit üppiger Fauna und Flora. Ich wache auf von Vogelgeträller und sehe da ich auch schon Perlhühner, DikDik, Warzenschweine.

10. Tag, Mittwoch der 7.11.2007: Fahrt ins östliche Hochland mit viel Khat- und Kaffeeanbau auf dem Weg nach Harar (Unesco Kulturerbe) 3 Übernachtungen im neuen Hertage Plaza Hotel
Wir haben uns vor dem Frühstück zu einem Bad in den heissen Quellen verabredet. Wir laufen los und vor uns steht ein riesiges Warzenschwein im Weg.
Angekommen sieht unser vorgestellt Idylle ganz anders aus: kein lauschiges Quellchen wo wir alleine plätschern könnten. Statt dessen Wochenbad und Waschtag der Einheimischen. Wir trauen uns nicht zu fotografieren bei soviel nackter schwarzer Männlichkeit. Ausserdem macht das Wasser – ausser dass es schön warm ist – keinen sehr einladenden Eindruck. Also stiefeln wir zurück.

Wir unterbrechen unsere Fahrt ins östliche Hochland in einem schönen Lokal mit traumhaften Innenhofgarten. Granatapfel, Jacarandas, üllte Hibiskus und Hornraben und Milane auf den Dächern. Den besten Kaffe seit langem und ein Bier Reklameschild das dem Wies´n Löwen von Löwenbräu Konkurrenz machen dürfte.

Wir fahren weiter und erreichen spät am Nachmittag Harar. Statt im Belayneh Hotel checken wir im neuen Heritage Plaza Hotel ein, das für mich das schlechteste auf der Reise ist. Neu eröffnet seit 5 Monaten aber mit zusammengeschusterten Material. Das Bad ist überschwemmt, im Spiegel kaum was zu erkennen, aber Marmor im Foyer.

Unser Lokal Guide Lischan (bedeutet so viel wie militärischer Orden) steht schon bereit und wir nutzen die Zeit bis zum Abendessen noch für einen kurzen Spaziergang in Richtung zum ersten Stadttor. Die Strassen sind voll und es herrscht reges Leben.

11. Tag, Donnerstag der 8.11.2007: Harar. Spaziergang durch die weisse Stadt der Heiligengräber und Moscheen, Besichtigung von Stadthäusern, Besuch der Märkte.
Gutes Frühstück in einem Gartenpavillion mit einem sehr netten sehr beflissenen Kellner (Omelette, spezial Omelette, continental breakfast, porridge) – und mit Blick hinweg über den Hotelgarten auf Harar’s Altstadt. Wir gehen zur Stadtmauer (wie gestern) und zum ursprünglich gebuchten Belayneh-Hotel und zwar oben auf die Dachterrasse und haben unter uns die weiße Stadt und den unvermeidlichen wie immer lebhaften Khat-Markt. Wir sehen von oben das Gewurle der Stadt und besuchen den christlichen Markt. Es gibt alles, sogar einen Schrottmarkt, wo alles, aber auch alles, verwertet wird, sogar Schwedische Kronen, die bei einer Kleider -lieferung in der Hosentasche gefunden wurden, wurden versucht, an den Mann zu bringen. Es gibt Hirse in braun und gelb, groß und klein, Bockhornklee, Linsen und Erbsen. Auch viele Leinsamenarten, die nach Amerika und Australien exportiert werden. Als Gemüse auch Mangold und Blattkohlarten und Schalotten.

Wir gehen in ein schönes Wohnhaus („gegar“) und bekommen Erklärungen über und das Leben in Harar. In Erwartung des 1. Kindes durfte die junge Ehefrau das Anwesen über Monate hinweg nicht verlassen. Wichtigster Raum ist der Empfangsraum, in dem auf verschiedenen Plattformen (Diwanen) die Mitglieder des Haushaltes entsprechend ihrer sozialen Position Platz nehmen. Aber der Führer meint, vieles wird gelockert, denn überholte Traditionen kann man lassen, nur die guten und sinnvollen soll man behalten. Die Häuser werden auch vermietet und wir laufen durch ein vermietetes Zimmer!

Wir besuchen das Rimbaud Haus, das als sein Wohnhaus genannt wird, es aber nicht ist. Als seine dichterische Laufbahn vorbei war zog er als nicht sehr erfolgreicher Händler in der Welt herum und war einer der ersten Europäer die hier Geschäfte machte. Der erste der die weiße Stadt überhaupt betreten hatte war Richard Francis Burton und dessen Buch wir im Vorfeld gelesen hatten. Gut, daß es heute nicht mehr so kriegerisch zugeht. Wie einfach ist doch Reisen geworden.

Wir besichtigen auch ein Haus von Ras Makonnen (Vater von Haile Selassi) der hier auch seine Flitterwochen verlebt hat. Es gibt wunderschöne alte Fotografien zu bestaunen, aus der Zeit als alles noch neu und unbekannt war.

Es fängt richtig zu regnen an und die Fahrer werden gerufen – sind auch sofort da – und fahren uns zum Belayneh-Hotel am Stadttor zum Mittagessen. Der Führer und Reinhard fahren mit einem einheimischen Peugeot-Floh-Taxi und sind schneller wie wir. Bis zur Ankunft haben wir uns an den Rand einer Moschee gedrückt. Auch eine große christliche Kirche ist vertreten und Kassa bekreuzigt sich immer beim vorbeifahren. Die Frauen in Harar sind sehr farbenprächtig gekleidet und auch die Geschirre, die im Haus an der Wand hingen, waren knallrot.

Wir gehen aussen an der Stadtmauer entlang und haben wieder eine ganze Kohorte von Kindern um uns. Rizinus, der Afrikanische Cardinalsbaum, fängt gerade an, seine weissen Blüten zu bekommen. Rings um Harar sind wie immer Hütten und Gärten und auch bereits Ensete (Scheinbanane), Papaya, Bananen. Ein Moslem Heiligengrab mit einem Riesenbaum ist bevölkert von Geiern. Sie neh¬men hier Zuflucht, weil woanders werfen Kinder Steine, aber bei einem Grab wäre das undenkbar. Wir gehen wieder stadteinwärts und besuchen eine Kaffeerösterei. Nicht weit weg davon erleben wir die Flugkünste von Gabelweihen (Schwarz-Milane).

Wir besuchen noch einen Jewellery-Job und ein Museum und trinken einen Kaffee in der Nähe der großen Moschee (Jamii-Moschee) bzw. Kirche (Erlöserkirche Medhane Alem) und beobachten das pralle Leben. Ich hatte von „Kuti“ gelesen, einem besonderen Kaffee, pulverisierte geröstete Kaffeebohnen in Milch aufgekocht, bekommt ihn aber nirgends. Abendessen im Hotel.

12. Tag, Freitag der 9.11.2007: Ausflug zu den bizarren Granitformationen bei Babile, Besuch eines Aroba-Dorfes. Mittagessen im Belayneh Hotel. Abends ein Touristen-Unikum: das Füttern der Hyänen vor der Stadtmauer

Wir fahren aus Harar heraus Richtung Südwesten, werfen einen Blick zurück auf die Stadt, müssen einer Kamelhorde ausweichen und begegnen breit beladenen Eseln. Wir machen einen Stopp an einem Feld mit Kolbenhirse, wo ein Junge uns vorführt, wie er mit einer Steinschleuder von einem Hochsitz aus einen Dreckklumpen so in die Luft schleudert, dass Vögel vertrieben werden.

Im Naturschutzgebiet bei Babile sehen wir, teils nur mit dem Fernglas des Führers-Klippschliefer (mit Elefanten verwandt), Klippspringer (Oretragus), landestypische Affen und Rehe, Termitenhügel, weidende Kamele ....

Wir befinden uns im Somaliland (nicht vergleichbar mit dem Staat) beim Stamm der Chichiga im Bundesstaat Oromia. Überall wird Kamelmilch an der Straße verkauft. Wir halten in Babile und trinken einen Kaffee. Kinder sind frech und werden weiter gescheucht und wir halten an der Tafel für den Millenium Hero Karl-Heinz Böhm der hier in diesem Ort ein Hilfprojekt unterstützt. Aber viele Menschen sehen hier ziemlich heruntergekommen aus. Überhaupt sind noch überall Bilder, Hinweise auf dasÄthiopische Millennium das wegen des Julianischen Kalenders 7 Jahre später war als unseres. Angela Merkel war ja bei den Feierlichkeiten eingeladen und später in Addis werden wir noch die schön dekorierte Tribüne der Festivitäten sehen.
Vor der Rückkehr nach Harar machen wir noch einen Abstecher zu einem seltenen Volk (Argobba) und werden mit Steinen beworfen was Kassa nicht so gut findet. Aber die Jungen hauen so schnell zwischen den Feldern ab, daß ein erwischen unmöglich ist. Dieser Ort liegt malerisch auf Bergrücken und es sind nur Frauen und Kinder anwesen. Es gibt auch eine Frauenkooperative die eine Mühle betreibt.

Wir sind von Kinderscharen umringt und schauen und das Dorf an. Die Häuser sind aus Stein gebaut und viele Frauen sitzen da und schälen Erdnüsse. Hier werde ich wieder ein paar Kindersachen los. Wir nehmen ein Mädchen mit mehreren Säcken geschälten Erdnüssen mit, die sie im nächsten Dorf an einer Sammelstelle abgeben soll. Wir haben der 13-jährigen die Schlepperei und den langen Fußmarsch erspart. Sie sollte die Erdnüsse abliefern, Brot und sonstiges kaufen und wieder ins Dorf zurückgehen. Ein Tagesausflug.
Wir essen im alten Ras Belayneh Hotel – mit neuem Manager –auf einer schönen Terrasse zu Mittag. Mit den Fleischresten werden wieder die Milane gefüttert. Ein kleiner Abstecher ins Internet-Kaffee und wir gehen zu Fuß zurück ins Hotel. An der Stadtmauer entlang kaufen wir Cheriymoya´s (Custard Apple, Gishta) und bekommen einiges dazu weil wir vermutlich auch einen überteuerten Preis bezahlen.

Bei Dämmerung fahren wir zur Hyänenfütterung. In der Stadtmauer sind Löcher eingelassen wo früher die Hyänen nachts in die Stadt konnten um den Unrat wegzufressen. Auch eine Art der Müllbeseitigung. Eine Familie hat es sich angewöhnt die Hyänen anzufüttern und die Attraktion ist ein Stück Fleisch in den Mund zu nehmen und die Hyäne holt sich das. Der Name des Hyänendompteurs ist Salomon.

Wir nehmen lieber ein Steckerl an dem das Fleisch ist und halten das der Hyäne hin. Sie kommen wirklich in das Licht der Autoscheinwerfer und lassen sich füttern. Es sind so an die 15 – 20 Stück, manche fordernd, manche schüchtern. Größer als ein Hund mit Flecken und runden flauschigen Ohren. So scheußlich wie man sich die immer vorstellt sind sie gar nicht. Außerdem haben sie ein ganz aussergewöhnliches Sozialverhalten und Weibchen haben schon auch mal einen Scheinpenis. Ein Weibchen mit ausgeprägtem Gesäuge kann ich ausmachen.
Abendessen wie immer im Hotel (- leider).

13. Tag, Samstag der 10.11.2007: Nach längerer Fahrt nach Westen und schließlich entlang des Awash Nationalpark erreichen wir Sodere. Übernachtung im Sodere Resort Hotel

Nach einem gepflegten Frühstück im Garten des Hertage Plaza verlassen wir Harar. Heute ist wieder Fahrtag. Am Fantale Krater und am Basake Lake kommen wir vorbei und an einem Ort der so ähnlich wie Mata Hari heißt. Wir besuchen einen Markt der nichts besonderes hergibt. Beim Kaffetrinken steht ein Esel im Vorgarten und wartet und ein besorgter Vater füttert seinen kleinen Sohn ganz liebevoll mit Fanta und Kuchen. Mittagessen wieder im schönen Innenhof, anwesend ist auch eine Gruppe Dr. Tigges.

Übersicht über die zweite Hälfte der Äthiopienreise:

Wir fahren wieder durch Nazret und erreichen nachdem wir uns durch den Freitag-Nachmittags-Ausflugsverkehr schlängeln Sodere. Viele Jeeps, schnieke Leute, viele D&G Sonnenbrillen wir befinden uns also am Wochenend-Treffpunkt der Addis Abeba’er SchickiMicki Gesellschaft. Wir warten ewig lange am total gesicherten Einfahrtsbereich zu den heissen Quellen. Wobei das Wasser in Gräben auch hier schon dampft und die Leute das zum Baden und Wäschewaschen benutzen.

Endlich eingelassen bekommen wir die Zimmer zugeteilt. Ein „Olympiareifes Schwimm- becken“ wie die Reklame anzeigt und eine Anlage ohne Hotelportiers aber mit vielen, vielen Kindern. Auf dem Balkon turnen Affen, die sich über das letzte vermanschte Obst hermachen und ich kann gerade noch die Tür schließen, bevor die das Zimmer stürmen. Es riecht komisch, ob das von der Kanalisation oder vom Wasser vom Fluß (Awash) kommt? Abendessen draussen auf der Terasse - mit einen trockenen Fisch, drinnen wäre das schönste Buffett.


14. Tag, Sonntag der 11.11.2007: Nach den fruchtbaren Hochebenen der Arsi-Oromo (Hauptort: Asela) erreichen wir Goba (2700 m) in den Bale Bergen. 4 Übernachtungen im Goba Wabe Shebele Hotel

Beim Frühstück klaut doch ein Affe meinen Toast und das erste Mal ist Hirse zu bekommen.

Abschiednehmen und nun geht es weiter. Wir fahren auf eine Hochebene, die bepflanzt ist dem üblichen westlichen Getreide Weizen und Gerste. Die Felder haben LPG- oder Amerika- Ausmaße und eigentlich müssten - weil Erntezeit - die Mähdrescher in Kolonnen nebeneinander fahren. Einmal sehen wir auch ein paar alte ausrangierte Claas fahren ohne die dazugehörenden Hänger (wo tun die das gedroschene Getreide hin?) und auch eine kleine mobile Handdreschmaschine. Sie ist blau, kann auf einem Pickup transportiert werden und ich sehe sie auch einmal im Einsatz. Meistens wird mit Ochsen gedroschen und von Hand die Spreu vom Weizen getrennt. Auch Ochsenpflüge sind hauptsächlich im Einsatz, obwohl es so was wie einen Maschinenring gibt, versichert mir Assefa. Die Felder gehören einigen großen Familien und an einem gigantischen Getreidesilopark kommen wir vorbei. Wir sehen die Kugeldistel Echinops Echinocola, die groß wie ein Busch wird, sehr stachelig ist und wunderschöne große zuerst weiße und dann blühend rote Kugeln macht. Wir sehen auch viele Leguminosen wie Bohnen und ein ungekanntes Kraut und Lein und die gelben Niger Seeds (Guizotia abyssina) die vermutlich zur Ölgewinnung angepflanzt werden.
Wir machen in der Olympia-Sieger Stadt Asela Stopp, aber Kaffee iss nich, weil es oft passiert, daß keine Elektrizität vorhanden ist.

Bei der Mittagsrast spielt ein kleiner Junge auf einem einheimischen Instrument und er singt auch über uns. Was will Sisai nicht übersetzen. Aber er lacht so verschmitzt, dass wir vermuten er nimmt uns ganz schön auf´s Korn. Er bekommt ein gutes Trinkgeld und so lässt sich Kinderarbeit doch gut bezahlen. Ebenfalls Kinderarbeit, aber vermutlich unbezahlt, ist das Hüten von Rindern, Schafen und Ziegen.

Nachdem wir die riesige Hochebene überquert haben, klettern wir wieder über Berge. Da auch gerade wieder mal Baustellen sind, müssen wir warten. Wir warten an einem Abhang und mir ist nicht ganz wohl dabei. Oben fahren große Caterpillar - der Hang ist nicht befestigt. Die Vegetation ist wunderschön. Es gibt Flechten und Moose, die so unterschiedlich in Form und Farbe sind, dass es sich im einzelnen gar nicht beschreiben lässt.

Die Höhe erklommen sind wir auf einer Hochalpinen Almwiese mit gigantischen Ausmaßen. Wasserläufe plätschern über Steine und durch grüne Wiesen. Nyala´s Warzenschweine, Wachtelhühner, Rallen, Hasen, Fuchs und die seltene Serval Katze laufen uns über den Weg. Die Szenerie wird immer merkwürdiger. Europäisch anmutende Almwiesen in gigantischer Größe, leichter Regen, Äthiopier zu Fuß und zu Pferd. Aber wie: Sie sitzen auf den kleinen Pferden und haben einen Regenschirm dabei. Manchmal reitet eine total verschleierte Frau, aber unter den wallenden Gewändern kann man die Stöckelschuhe erkennen. Also hier wird nicht alles zu Fuß gegangen sondern auch geritten.

Es regnet jetzt richtig und die Straße wird schlammig, wenn das so weitergeht versinken wir im Batz. Was die Leute, die die Straße entlang laufen, auch tun. Es bilden sich richtige braune Klumpen an den Schuhen und alles ist schlammig. Aber niemand scheint das zu stören und der Verkehr ist rege.

Wir erreichen das staatl. Bale Goba Ras Hotel, das jetzt Goba Wabe Shebelle heißt und das wie immer eine riesige Hotelhalle hat, in der  zieht und eiskalt ist. Auch das Personal ist mit dem staatl. Hotel ergraut.

15. Tag, Montag der 12.11.2007: Tagesausflug nach Sof Omar einem sehr ein-drucksvollen Höhlensystem am We(y)b Fluss

Wegen Regen und Schlamm wird das Programm geändert. Wir fahren zur Höhle von Sof Omar. Überhaupt bewegen wir uns in den nächsten Tagen immer zwischen dem Goba Hotel, Robe und Dinsho. Wir überqueren immer wieder die gleichen Flüsse, den Web River und viele andere kleinere. Die Brücken sind abenteuerlich und wir sehen jeden Tag, wie die Bächlein anschwellen und die Wasserfälle größer, der Schlamm tiefer wird. Wenn das so weiter regnet, werden wir irgendwo stecken bleiben. Wir fahren wieder eine Weile durch schönstes blühendes Land, sehen eine Riesenschildkröte am Wegesrand und müssen irgendwann unsere Auto´s stehen lassen. Wir gehen zu Fuß nach unten in ein Tal zu einem Fluß der gurgelnd um die Ecke kommt und in einer riesigen Höhle verschwindet.

Durch dieses 16 km lange gigantische Höhlensystem hat sich der Web River ein Bett gefressen. Dieses spektakuläre Höhlensystem ist ein wichtiges islamisches Heiligtum, das nach dem Scheich Sof Omar benannt ist, der hier Zuflucht fand. Die Geschichte der Höhlen reicht nicht nur bis zu den Moslems zurück sondern viel weiter. Hier gab es schon Geisterglauben und Kulte. Auch heute noch wird bei Kinderlosigkeit hier geopfert.
Wenn alles Licht erlöscht ist kann man das Wasser hören. Die Prallhänge machen eine andere Melodie wie das Kehrwasser, eigentlich kann man hören wo man als Ka jakfahrer fahren müsste. Wir sehen auch jede Menge kleiner Fledermäuse und Stalagmiten / Stalagtiten. Zu bestimmten Feiertagen versammeln sich hier bis zu 5000 Menschen. Im Dorf laufen Guareza Äffchen herum, lassen sich aber nicht anlocken.

Da es längst Mittag ist und wir Hunger haben, versuchen wir in einem kleinen Dörfchen oberhalb der Höhlen etwas zu essen zu bekommen. Trockenes Brot und Tee würde reichen. Wir fahren in den Ort und sind sofort umringt, gehen in ein „Einheimisches Lokal“, schauen beim Injera backen zu, entscheiden uns aber für Weißbrot und Cola und Tee. Wir werden fotografiert und ich bin überzeugt, daß wir als Reklamefotos irgendwann an der Wand hängen werden. Aber weshalb sollten wir immer nur die Täter sein, so sind wir auch mal Opfer. Ein kleiner Junge wird von uns neu eingekleidet mit Unterhose, die bis jetzt unbekannt war, Hose und Shirt.

Wieder muss die ca 120 km lange Fahrtstrecke zurück nach Goba auf schlammigen Erdstraßen zurückgelegt werden, - eine über drei Stunden dauernde Schaukelei. Im schräg einfallenden Spätnachmittagslicht wirkt die Landschaft besonders schön.

16. Tag, Dienstag der 13.11.2007: Fahrt nach Dinsho zum Bale National Park, Tierbeobachtung

Was wir – nachts in unseren Betten - für den absoluten Wolkenbruch halten ist in Wirklichkeit das gesamte Wasser des Blechdachs, das aus Abflussrohren wie ein Wasserfall in die Wasserbecken im Innenhof läuft. Es regnet und wir fahren nach Dinsho zur Nationalparkverwaltung um unsere Tickets zu besorgen. Wir schauen uns das kleine Museum an, ein paar schlecht präparierte Tiere (Ameisenbär, Manguste/ Ichneumon / Mungo, Pharaonsratte, Schleichkatze, Serval Katze und anderes Getier). Wir fahren weiter ins Gelände und müssen aber bald aufgeben weil alles überschwemmt ist. Wir sehen große Herden von Nyalas, Radback und Warzenschweinen und wir sind klitschnass. Auf der Reklametafel sitzt dekorativ ein Adler.

 
 
 

Zurück im Dorf Dinsho gehen wir in ein Kaffee („The Wolf’s Den Cafe“) um uns aufzuwärmen, - was einen rechten Balanceakt im Schlamm unter Beobachtung der Locals erforderte, um hinzukommen. Der Garten mit Rosen und Fuchsien ist wunderschön, auch die Küche ist groß und der Rauch zieht unter dem Blechdach ab. Auf Dinsho’s Straße pulsiert das Leben.

Im Nationalpark zurück machen wir eine Runde durchs Gelände. Nyalas auf Augenhöhe, Warzenschweine, die mit ihren doppelten Hauern vor uns buddeln und Bäume die schöner nicht sein könnten.

Bemoost, bewachsen, umgefallen, entrindet. Aralien mit glattem Stamm, Orchideen und Farne, Schlingpflanzen, Moosbärte und das alles bei einem nebligen unwirklichen Licht. Der Boden ist bewachsen mit Alchemille in allen Farben und kleinsten Lobelien. Der Geruch ist so erdig, moosig und von irgendwoher mischt sich Feuer dazu. Es kommt mir vor wie der Feenwald im Herrn der Ringe.
Der Regen lässt nach es wird heller und wir fahren nach Robe zurück. Hier sind viele Universitäten (Teacher Colleg, Biologie, Medizin u.a) und somit sind auch viele Studenten auf den Straßen unterwegs, die den Kontakt suchen. Ich füttere einen frei in der Stadt herumstromernden Pavian mit Kollo (geröstetes Getreide, äthiopischem Fast Food). Ein Schuhputzer wurde engagiert um unser verkrusteten Schuhe zu putzen.

Die Guides (unsere und die von anderen Reiseunternehmen) treffen sich in einem einzelstehenden Pavillon, wo sie Carambula spielen. Das ist eine – wohl von den Italienern in Äthiopien eingeführte Form von Pool Billard – ohne Queu. Assefa berichtet stolz, dass es ihm gelungen ist, Sisai zu besiegen. Das Carumbula ist dann auch der Grund, warum beide etwas zu spät beim Abendessen auftauchen. Natürlich gibt es nicht überall Billard-Tische. Was es aber auch im „hinterletzten“ Ort (oder wie lonely planet es formuliert: in the most obscure towns) gibt und eifrig gespielt wird, das ist Tischtennis und insbesondere Tischfußball („don’t step in unless you’re very good and don’t mind losing some money“).


17. Tag, Mittwoch der 14.11.2007: Ausflug zum Sanetti-Plateau (Mount Batu 4377 m) – simien fox, Giant Lobelien

Der Regen lichtet sich und es klart auf. Wir verlassen Goba in südöstlicher Richtung, passieren einen Bambusmarkt und fahren hinauf auf das Sanetti Plateau zum höchsten Gipfel der Region, dem Mount Batu (4377 m). Die höchste Erhebung Äthiopiens ist der ca 4600 m hohe in den Simien-Bergen zwischen Gondar und Axum gelegene Mount Ras Dashen.

Die Straße ist nicht ganz so matschig, es trocknet auch schon wieder ab -und wir schrauben uns immer höher. Die schönsten Bodendecker, alles klitzekleine Strohblumenarten in silbrig weiß und bunt. Wir sehen die ersten Giant Lobelien, die kleinen wachsen zu Füssen. Wir sehen viele Nager in den unzähligen Gängen verschwinden. Gänse fliegen über uns, auch Adler. Die Kerzen der Giant Lobelie werden bis zu drei Metern hoch und sterben dann ab. Der Wachmann der auf dem Gipfel befindlichen Sendemastenanlage prüft kritisch die die Handschuhe, die ich ihm über den Zaun geworfen haben. Er muss sie gut gebrauchen können, denn es ist reichlich naßkalt hier oben.

Wir laufen im Gelände unterhalb des Gipfels, was sich komisch anfühlt, denn der Boden ist unterminiert von Gängen. Wir sehen einen Fuchs jagen und auch ein Tier erwischen. Überall läuft Wasser und überall blühen kleine Blümchen in vielen Farben. Vieles vor dem Wind geduckt am Boden. Wir machen an einem wunderschönen Felsen ein Picknick, Brote mit Steak und Käse, Ei und Banane. Es kommen ein paar halbwüchsige vorbei und die können wir noch mitfüttern. Es hat gebrannt und die verkohlten Zweige hinterlassen Kohlestreifen auf den Hosen.

Wir verzichten auf den im Süden des Sanetti-Plateaus gelegenen Harenna-Wald und fahren zurück nach Goba. Wir begegnen den Schweizern, die mit großen Fernrohen und Teleobjektiven unterwegs sind, - und ihrem Guide mit dem gelben Schlapphut, ebenfalls auf der Jagd nach dem Simien Fox. Auf der Runterfahrt bekommen wir noch die einige von den Kindersachen los. Die Fahrt geht an schönsten Bäumen und Büschen vorbei. Wir sehen Johanneskraut mit schönen gelben Blüten. Buddleia ist vertreten ebenso wie Cotoneaster.


18. Tag, Donnerstag der 15.11.2007: Wieder im Grabenbruch fahren wir ins Land der Sidama nach Yirgalem. 3 Übernachtungen in der Aregash Lodge inmitten reicher Vegetation

Tanken in Robe, auch die Hess Leute sind hier. Heute scheint die Sonne. Wir fahren die ganze Strecke wieder zurück, vorbei an Dinsho, Warzenschweinen und weibl. Bergnyalas. Wieder halten bei den Bauarbeiten (Motorradfahrer in Superausrüstung kommen uns entgegen) und kommen wieder aus der schönen Bergregion ins Tal. Bei der Kaffeepause das absolut schlechteste Klo, nicht mal ein Loch ist vorhanden. Mittagessen in Dodola in einem wunderschönen grünen Innenhof. Von Dodola aus könnte man auch ein Trekking durch die Bale Berge buchen.

Wieder zurück in den Grabenbruch und was mich an der Landschaft zu fasziniert sind die Zäune. Jeder hat einen kleinen Zaum um seinen Tukul (Godjo) oder auch schon um sein kleines Wellblechdachhäuschen. Die Zäume sind meistens aus Naturmaterialien z.B. Euphorbien, Dornenzweigen der Akazien, Opuntien, auch aus geflochtenem Bambus oder aus aufgeschnittenen Ölfässern. Die Pflanzen steckt man einfach in die Erde, die wachsen dann schon und schützen vor allem möglichen. Auch wird Eukalyptus verwendet, oben schön spitz zugehauen. Manchmal wird Erde wie unser Torf gestochen und als Unterbau verwendet, auch Steine müssen herhalten. Wellblech wird auch genommen, das wohl sehr dünn ist und gut in Rollen nach Hause getragen werden kann. Auch die neu gebauten Häuser sind noch in der Tradition erstellt. Stangengerüste, mit Lehm-, Mist- und Stroh verputzt und mit schöner Ornamentik versehen, Stanzungen und Ritzungen. Später werden wir auch noch schöne Bemalungen sehen z.B. mit Löwen und anderem Wildgetier.

Sasheme, die Rastafari Stadt liegt an der Strecke. In Jamaika huldigten die Anhänger der Reggaemusik den letzten Kaiser Äthiopiens Haile Selassie als ihren Gott und König und tauften die Bewegung auf dessen Fürstennamen Ras Tafari. Einige kehrten nach Äthiopien zurück und siedelten sich u.a. bei Shasheme an.

Wir erreichen Yirgalem (= Yirga Alem) und fahren von der Hauptstraße ab. Die Straße wird schlecht und wir verlieren Sisai aus den Augen. Plötzlich laufen ganz viele Kinder hinter uns her, Assefa hat die Abzweigung übersehen. Wir erreichen die Aregash Lodge. Ein Tukul das als Empfangshaus gilt und Reinhard ist erst mal mit dem Manager verschwunden. Er kommt dann und nimmt die Hütteneinteilung vor. Wir bekommen einen wunderschönen Drink und machen es uns in den Tukuls bequem. Das Gelände liegt am Hang und die Hütten schauen ins Tal. Die Speisehütte liegt im Zentrum am Hang unter Kaffeebüschen. Die Grundmauern sind aus schönen Stein, der Rest ist geflochten. Riesengroß mit Fenstern und Türen und zwei Zimmern und Bad. Schön hier drei Nächte zu bleiben, verdanken tun wir das nur, weil der Flug verschoben wurde. Die Pflanzen werden vor der Tür geparkt und der Gärtner der am nächsten Tag mit der Sichel den Rasen schneidet, will gleich beflissentlich Wasser holen.

Der Besitzer Georgios ist Grieche, die Frau Italienerin. Wie kann es anderes sein. Sie ist in Tigray geboren und hier aufgewachsen, obwohl die Muttersprache italienisch ist. Das Personal ist traditionell angezogen und die Mädchen sind nach Schönheit und Freundlichkeit ausgesucht.

Ein wunderbares Abendessen, eine Suppe im Töpfchen und ein Buffett mit Salaten aus dem Garten, Ensete, Gemüse, Nudelgerichten, Fleisch, Creme Caramel. Schöne Blumen am Tresen. Der Duft von Datura ist überall.

19. Tag, Freitag der 16.11.2007: In Yirgalem Besuch der CBM-Augenklinik. Ausflug zu den archaiischen Grabstelen von Tutu Fella und Tututi bei Dila

Gut geschlafen. Ein gutes Frühstück. Der Garten ist ein Traum, Pimpinelle, Myrten, Cosmeen, Zinnien und vieles, vieles mehr.

Wir fahren zum Krankenhaus in Yirgalem und wollen der CBM-Augenklinik einen Besuch abstatten. Ein beflissener wichtig aussehender Türwächter öffnet uns das Tor. Wir werden vom Arzt mit seinem Team erwartet. Er ist der Augenspezialist. Die Mitarbeiter schauen manchmal nicht so überzeugt zu dem, was der Chef erzählt. Er zeigt uns die Krankenstation und auch den Operationssaal. Zu den vielen Fliegen, die Kinder so um die Augen haben gefragt, meint er, es müsste mehr aufgeklärt werden. Waschen mit sauberen Wasser und Seife würde schon viel helfen.

Wir fahren weiter und sehen viele Ananasfelder und auch viele Leute die an der Straße Obst verkaufen. In Dila trinken wir in einem absoluten In-Cafe einen Kaffee während unsere Guides ein Injera-Gericht vertilgen. Sisai organisiert den Führer für unseren Ausflug zu den Stelen von Tutu Fella. 

An der Straße sind auch Fahnen ausgesteckt die davon zeigen, daß es das einheimische Bier oder auch den gebrauten Met gibt. Wir haben jetzt einen Führer dabei und fahren 17 km südlich von Dila und 3 km südlich von Wenago abseits (östlich) der Straße nach Tutu Fella. Wir halten in der Nähe einer Schule und schnell sind wir umringt von Kinderscharen. Wir laufen einen schönen Weg und kommen an die Umfriedung des Stelenparks. Die ca 80 Stelen sind unterschiedlich, meistens in Phallusform, einige auch mit Gesichtern verziert und mit vielen grafischen Zierformen. Der ursprüngliche Fundort war wohl nicht hier. Wir laufen wieder zurück und die Kinder werden immer aggressiver, der Ruf Ferengi (Ausländer) begleitet uns. Ich fange an mit den Kindern zu singen und von da ab sind sie friedlich. Wir fahren zur Straße zurück und wieder einen Abzweig rein nach To Tutili, 2,3 km westlich des Dorfes Chalba und 8,5 km südlich von Tutu Fella, wo noch höhere Stelen (bis 7,5 m hoch) stehen oder liegen. Die Landschaft ist djungelmäßig bewachsen. Wir sehen Avocado- und Mangobäume wo sich gerade die ersten kleinen Früchte formen. Wir sehen weitere Stelen noch so wie sie ursprünglich gefunden wurden. Kaffeekirschen beim Trocknen.

 

Wir fahren nach Dila zurück und gehen noch mal in unser In-Cafe diesmal zum Mittagessen. Da laufen europäische Waldschrate rum, grobe Bergstiefel und kurze Hosen und die kommen auch später zu uns zur Lodge.

Zurück in der Lodge wartet schon die Kaffeezeremonie auf uns. Eines der netten Bedienungsmädchen sitzt und röstet Kaffeebohnen. Weihrauch wabert durchs Gras und wir warten. Sie stampft den Kaffee und gießt auf und kocht usw. Auch die Waldschrate kommen und wir müssen teilen. Ein älterer Angestellter zeigt uns wie das Bambus bearbeitet wird und wie viele verschiedene Arten – von dünn bis dick – für den Dachbau gebraucht werden. Es sitzen sicher 7 Männer rum, wo jeder einen anderen Arbeitsschritt macht. Von Spalten, beizen, waschen, biegen usw. Er erklärt alles ganz stolz. Ich ernenne ihn zum Tukul-Architekten. Er zeigt uns auch noch den Garten und der ist wirklich umwerfend: Sicherlich 20 verschiedene ital. Salatsorten (ich sehe Samentütchen von Baker Holland) Maniok, Ingwer, Peppino´s, green Pepper, div. Bohnen, Pomelo, Petersilie, Stangensellerie, Zichorie, Zuchini, Auberginen, Gurken, div. Kohlsorten, einfach alles. Die Signora sagt, daß Tomaten wegen der Termiten nicht gedeihen.

Wir warten auch hier auf die Hyäne, die auch kommt. Es ist eine kleine junge Hyäne, die sich das Futter mit den Geiern teilen muß. Wieder ein gutes Abendessen (mit Maniok und ital. Wein).

20. Tag, Samstag der 17.11.2007: Ausflug nach Awasa am gleichnamigen See. Fischmarkt und Bootsfahrt

Der Awasa ist sehr fischreich. Dementsprechend gibt Fischer und auch viele Wasservögel. Die Marabus streiten sich um die Fischabfälle und Kinder versuchen Geld zu verdienen indem sie, wenn Touristen des Weges kommen, die Vögel füttern.

Wir fahren an den staatlichen Restaurantbetrieb und sehen wie aufgewühlt das Wasser heute ist. Hier wird auch privatisiert, vermutlich hat auch Scheich Mohamed AlMudi aufgekauft (reichster Mann Äthiopiens, damals weltweit Nr. 70).

Wir fahren zu einer anderen Stelle. Dort gibt es eine Kooperative, die als Existenzgründung vom Staat unterstützt worden ist. Jungendliche haben einen Bootsverleih und fahren uns raus zu den Flusspferden. Es ist stürmisch, das Einsteigen ist nicht einfach aber schließlich sind wir auf zwei Boote verteilt und rauschen los. Wir erreichen eine flachere Stelle zwischen Schilf, Wassersalat und Gräsern und schon sehen wir die ersten Exemplare. Wir sind ziemlich nah dran. Sie tauchen auf, schauen neugierigund gehen wieder unter. Es sind auch ein paar Kleine dabei mit klitzekleinen Öhrchen. 

Auch am Uferbereich baut Al Mudi einen großen Hotelkomplex. Bietet sich auch an, nahe an der Hauptstadt eine Ausflugsmöglichkeit an einem so schönen See zu erstellen. Wieder an Land machen wir noch einen Spaziergang am Ufer entlang und sehen einen Boxer (die heißesten Adidasschuhe) und er lässt sich gerne fotografieren. Wie überall an Wasser große Wäsche und Badetag.

 

Die Vögel sind gigantisch und nur durch Sisai´s afrikanisches Vogelbuch kann ich ein paar bestimmen z. B. den Africa Jacanas, er ist ca. 40 cm groß hat lange blaue Watvogelbeine und ein Schild (wie ein Blesshuhn) in blau (Actophilornis africanus). Er läuft auf den Seerosenblättern und ernährt sich auch von den Insekten und vom Nektar der blauen Seerosen. Auch sein Nest baut er schwimmend auf Pflanzen. Sein Schnabel ist nicht sehr ausgeprägt.
Wir sehen viele Kingfisherarten (Eisvogel) z.B. eine schwarz/weiße Art die es bei uns nicht gibt und eine Giant-Art. Wir können ihn gut beobachten wie er über den Fischen flattert und dann mit angelegtem Gefieder zustößt. Außerdem Fischadler, Seidenreiher (Egret) , Rallen und den Weißbrustkormoran. Der etwas kleiner ist wie der unsrige. Auch den Hamerkop (Scopus umbretta) der bei uns wohl auch Hammerkopf heißt weil er auch so aussieht. Hornraben (Hornbill) in jeder Variante und Bienenfresser (Spinte, Bee-eater). Glanzstare (Glossy Starling), Sekretär (secretary Bird) und divererse Arten der Bachstelze (Wagtails, Motacilla alba). Das Wippen ist gleich aber sie sind größer. Die größten natürlich die Strauße (Struthio camelus). Die unzähligen Webervögel können gar nicht aufgezählt werden. Wir beobachten einen Tukan, wie er sich eine Frucht nach der anderen holt und sie aufknackt.

Ich sehe einen Monteur sitzen, Anzug mit „Krones“ Aufschrift und ich frage ihn was er hier macht. Er ist schon seit Jahren in Afrika und sie bauen gerade eine Abfüllanlage für Pepsi, die auch Ala Mudi gehört. Wir fahren nach Awasa zurück und versuchen unser Glück mit Internet, aber es geht irgendwie nicht oder dann nur sehr langsam. Ein kleines bettelndes Mädchen mit Jeanskleid, Sweatshirt mit Kapuze lässt sich von mir mit Kollo füttern, hat wohl wirklich Hunger.

Und wir fahren wieder in unser Paradies zurück: Die Aregash Lodge ist im Sidama Stil gebaut und das sind die größen Hütten. Außerdem sind sie transportierbar. [email protected]  Georgios repariert heute Auto und nicht Dach. Wir machen einen Spazier gang über das 21 ha große Gelände. Einer der Leute begleitet uns, weil er uns zum Bach absteigen sieht und er sagt wir können nicht „escape“. Er führt uns an der Höhle der kleinen Hyäne vorbei, die abends immer gefüttert wird, zeigt uns den Bambus- und Zuckerrohr Wald. Der Bambus dient als Material für die Hütten dient und zum Abstützen der vielen gepflanzten Bäume und Sträucher. Die Signora sagt, sie bräuchte mal
einen Biologen der ihr das Gelände kartiert. Sie denkt, es gibt bestimmt noch einige nicht erkannte Pflanzen. Wir kommen an die Müllkippe, hier wird wohl öfters was verbrannt und an die Personal Unterkünfte. Ein kleines Gehege beherbergt ein DikDik-Pärchen. Die Ohren sind wieder so ähnlich wie beim Hasen gestreift und das Männchen hat auf jeder Seite einen schwarzen Punkt (so wie beim Sonnenbarsch).

Zu unserer Überraschung spricht uns ein Mann in langsamen aber grammatisch perfekten Deutsch an. Er lernte 5 Jahre an der Deutschen Schule in Addis und hört jetzt immer noch die Deutsche Welle. Ist über vieles sehr gut informiert, daß Brandt schon gestorben ist, das ist an ihm vorbeigegangen. Er kennt die Automarken auch wo die Fabrikationsstätte ist z.B. Opel Rüsselsheim. Wir gehen noch mal durch den Garten und freuen uns schon, was es daraus wieder gutes zum Abendessen gibt. Zum Nachtisch gibt es  flambierte Bananen und Obstsalat, beides sind ein Genuss und ganz schön Cognac trächtig.

21. Tag, Sonntag 18.11.2007: Rückfahrt entlang der nördlichen Seenkette nach Addis Abeba mit Besuch des Shalla National Park am gleichnamigen See unddes Debre Zeyt Kratersees. Abendessen im „Top-View“. Übernachtung im Ghion Hotel.

Wir müssen unser Paradies verlassen und mir fällt das richtig schwer. Wir fahren zurück und an den vielen Seen vorbei. Wir halten noch mal im Shalla National Park. Hier sehen wir eine große Herde von riesigen Staußen und auch viele Kinder die die gleichen Schnitzereien verkaufen: Auto´s und Hütten.
Überall am Strand Bimsstein, der reichen würde alle Hornhäute auf der Welt zu vernichten. Wir kommen an heiße Quellen die wirklich eine Temperatur von 60-70 Grad haben. Die Kinder haben alle eine weiß gesprenkelte Haut, wohl vom Soda und auch sehr schlechte Zähne, was ganz untypisch ist. Vermutlich sind in dem Wasser Minerale enthalten, die für die Zähne nicht gut sind. Kinder rennen neben dem Auto her um einen Birr zu ergattern als ginge es um ihr Leben. Kinder sind immer erfinderisch im Spiele bauen und aus Lianengewächsen entsteht eine große viel frequentierte Schaukel.

An der Straße sehen muslimische Grabsteine (mit bildhaften Darstellungen). Wir passieren wir viele Hallen, in denen Rosen wachsen und für den Export bestimmt sind, wir sehen auch die Kühllaster dazu. In der Lodge trafen wir eine Familie wo der Mann erzählte er war lange in Holland tätig und jetzt hier. Erdbeerfelder in riesigem Ausmaß, mit Folie abgedeckt. Es wird überall versucht, Exportgüter herzustellen. Aber Agrarprodukte sind halt leider nicht sehr lukrativ.

Wir machen Stop am Debre Zeyt Kratersee in einem oben am Kraterrand gebauten Luxus-Kaffee.

Wir kommen in den Wochenende Rückreiseverkehr nach Addis rein und es ist ganz schön was los. Assefa zeigt wo er wohnt, ist noch etwas außerhalb, aber er sagt die Mieten seien dort um die Hälfte billiger. Er bewohnt eine 2 Zimmerwohnung (die teilt er sich mit einem Freund) und das kostet 300 Birr monatlich. Sisai hat sich wohl gerade ein Haus gebaut und zieht demnächst um. Seine Frau arbeitet auch irgendwo in der Telekommunikation und die Tochter ist bei Schwiegermutter und Kindermädchen. Bautätigkeit überall und auch der Verkehr nimmt zu und es ist was los. Heute ist Sonntag und im Park werden Hochzeiten gefeiert.

Wir checken ein im Ghion Hotel, machen uns frisch und gehen abends noch in das Top View Restaurant. Wir essen wieder mal gut und haben einen grandiosen-Blick auf Addis.

22. Tag, Montag der 19.11.2007: Wir besuchen eine Fabrik, in der die grünen Kaffeebohnen sortiert und verpackt werden, ein Geschäft mit Tourismus-Artikeln und eine Rösterei, in der Kaffee verköstigt und gekauft werden kann. „Tageszimmer“ im Ghion Hotel, gegen 0:30 Transfer zum Bole Airport

Frühstück im Ghion, das Buffett nicht umwerfend. Die Jeeps sind bereits in der Werkstatt um für die nächsten Anforderungen hergerichtet zu werden und wir haben einen großen schwarzen Bus mit einem eleganten Sisai. Auch heute ist auf der Straße viel los und wir fahren am Goe¬the-Institut vorbei zum ethnischen Museum. Sisai muß seinen Ausweis abgeben und fotografieren ist nicht erlaubt Die Ethnien werden abgehandelt. Wir sehen einen Film von Ivo Strecker mit dem Sprung über die Ochsen, das Schlagen der Frauen wird nicht gezeigt. Kinderspiele (unter anderem das Fußkicken mit einem Ball am Seil an einem Pfosten), Ernährung, Religion usw. Die Bade- und Schlafzimmer von Haile Selassi und seiner Frau. Stelen, Totem, Kreuze, Malereien und Musikinstrumente. Eine Treppe ins nichts mit dem Löwen von Juda drauf, soll die italienische Zeit symbolisieren? Der Garten ist sehr schön mit zugeschnittenen Eiben. Wir trinken auf der schönen Terrasse des Ghion Saft und sehen viele Eltern mit Ihren adoptierten Winzlingen laufen.

Wir gehen in einen Shop zum Einkaufen, aber es ist so überfüllt, das mich die Lust verlässt. Wir fahren zum Bahnhof und gehen ins Bahnhofsrestaurant zum Mittagessen. Das Lokal ist witzig, ein Verschnitt aus Spiegelkabinett und 60er Jahre. Poster aller Couleur hängen an den Wänden. Wir werden in der Kaffeefabrik erwartet. Wir sehen, wie der Kaffe angefahren wird, die einzelnen Säcke werden durch verschiedene Maschinen gerüttelt um Steine und andere Verunreinigungen zu entfernen. Er wird sortiert nach klein und groß, für Inland und für den Export. Die Antriebsmaschinen sind von DEMAG und Asea. Das entsetzliche kommt dann im nächsten Saal. Da sitzen doch tatsächlich Hunderte Frauen und sortieren die Bohnen dann von Hand nach.

Es beginnt die Erntesaison und zur Hauptzeit wird mit bis zu 8000 Frauen in 3 Schichten gearbeitet. Auch an einer Sacknähmaschine sind es Frauen, die die Säcke hin- und wieder wegfahren und die die schwere Arbeit tun. Männer stehen zur genüge rum. Unser Guide sagt dazu: Frauen können das sehr gut! Auch auf dem Weg zur Kaffeerösterei sehen wir Frauen die Ziegel (auf die Etage mit dem Kran auf einer Palette gehievt) den Maurern an den Arbeitsplatz tragen!!!

Kaffeerösterei: Köstlicher Duft wie immer, sie haben auch ein neues Papier für den Kaffee. Die Tüten sind mit Folie belegt und haben einen durchsichtigen Boden, also können die Bohnen sofort erkannt werden. Vor der Türe stehen bettelnde Frauen mit ihren Kindern.
Zurück im Hotel versuche ich noch die CD zu kaufen, die Kassa immer gehört hat: ein Liebeslied an den Vater, der schon gestorben ist, die Sprache ist Amharisch und der Refrain Afar. Aber leider ist sie nicht zu bekommen. Gemeinsames frühes Abendessen. Wir gehen ins Bett und schlafen ein bisserl. Der Abflug hat sich verspätet wir treffen uns um 0:30 in der Halle.
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23. Tag, Dienstag der 20.11.2007: Nachtflug über Khartum nach Istanbul, dort Stadtspaziergang, nachmittags Weiterflug nach München, Ankunft später Nachmittag

Fahrt zum Flughafen. Wir sitzen ewig am Gate und kommen ins ratschen mit einem deutsch sprechenden Algerier (Tamanrasset) der mit Angela Merkel im Osten studiert hat. Aber endlich ist die Maschine da, wir legen los. Istanbul ist trübe aber es regnet nicht und der Fahrer wartet winkend und handytelefonierend auf uns. Wir fahren zum Hippodrom, laufen durch die Stadt. Essen Sesamkringel, Maroni und Fischkebab.

In München gelandet, kurze Verabschiedung. Die Reise war aufregend, spannend, schön und anstrengend, der Reisebericht ist nur ein kurzer Überflieger und das Land wäre es wert noch mal besucht zu werden.


Literatur:
1 „Das Afrikanische Rift Valley – Die Wildnisse der Welt /Time-Life_Bücher“, von Colin Willcock und der Redaktion der Time-Life-Bücher, mit Photos von Goetz D.Plage, 1974, Time-Life International (Nederland):
2 Rüdiger Nehberg: „Die Wüste Danakiel – Zu Fuß durch den Osten Äthiopi-ens, das Höllenloch der Schöpfung“, Bastei-Lübbe, 1987 Kabel Verlag, Hamburg, ISBN 3-404-60241-2
3 „Neunzig Tage bis Harar – Richard Francis Burton gelangte als erster Weißer in eine verbotene Stadt Schwarzafrikas“, Karl Rolf Seufert, 1.Aufl. 1973, Arena, ISBN 3 401 03656 4
4 GEO Nr.7/Juli 1994 S. 33 – 46: „Salzkarawane durch die Hölle der Danakiel -Sie ist eine der unwirtlichsten Gegenden der Welt, die Danakil-Senke imNordosten Äthiopiens. Bis zu 56 Grad ist es heiß, wenn die Männer vom Volk der Afar mitten in der Wüste Salzblöcke brechen lassen und in tagelangen Märschen heimbringen. Einzig mögliche Transportmittel: Esel und Dromedare. Reporter haben sich für GEO einer Karawane angeschlossen“
5 Reise Know-How: „äthiopien – handbuch für individuelles entdecken“, katrin hildemann & martin fitzenreiter, 4. Aufl. 2007, Reise Know-How Verlag Peter Rump, Bielefeld, ISBN 978-8317-1544-2
6 lonely planet: „Ethipia & Eritrea“, Matt Phillips, Jean-Bernard Carillet, 3rd edition 2006, ISBN 1-74104-436-7
7 Gianni Giansanti: “Völker des Morgens – Vom Verschwinden der traditionellen Kulturen Afrikas” (“ultima africa”), 2004, Frederking & Thaler, München 2004, ISBN 3-89405-631-2
8 Bernd Bierbaum. „Äthiopien – Zwischen Himmel und Erde“ (Die beschriebenen Reise folgt der „historischen Route“, die durch das Hochland Äthiopiens führt), books on demand, Norderstedt, 2006, ISBN 3-8334-4389-8
9 Reinhard Bockhorni: "Äthiopien - vorausgereist Band 4", Reisen und Bildung GmbH, München 1995, ISBN 3-925337-27-X


 

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